Ärzteschaft

Ärztepräsident fordert mehr Hilfe für Kliniken gegen Überlastung

  • Montag, 16. November 2020
/picture alliance, Wolfgang Kumm
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Berlin – Vor den Beratungen von Bund und Ländern zur Coronalage in Deutschland forderte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, eine stärkere Unter­stützung für die Krankenhäuser.

Viele Kliniken in Regionen mit zahlreichen Infektionen hätten bereits jetzt die Belas­tungs­grenze erreicht, sagte Reinhardt. Zudem müssten die Ärzte und Pflegekräfte besser vor Coronainfektionen geschützt werden. Am heutigen Nachmittag beraten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten erneut über die Pandemielage.

Mehrere ärztliche Organisationen hatten den Krankenhäusern am Wochenende vorgeworfen, trotz drohender Coronaenpässe an verschiebbaren Behandlungen festzuhalten – und zwar aus Umsatzgründen. Der Präsident der Deutschen Krankenhaus­gesellschaft, Gerald Gaß, hatte gestern der dpa hingegen gesagt: „Die Kliniken fahren schon je nach regionaler Situation die Regelversorgung schrittweise zurück.“

Reinhardt fordert mehr personelle Ressourcen

Aus Sicht von Reinhardt ist weitere Hilfe für die Krankenhäuser durch Bund und Länder bei der Bewältigung der zweiten Welle zentral. „Die Maßnahmen des Lockdown-light mögen das exponentielle Wachstum der Pandemie in Deutschland bremsen“, so der Ärztepräsident. Für die Sicherstellung der Behandlung der zahlreichen COVID-19-Patienten seien aber mehr personelle Ressourcen auch auf den Intensivstationen nötig.

„Deshalb müssen wir jetzt entscheiden, wie wir mit planbaren Eingriffen umgehen“, verlangte Reinhardt. In medizinisch vertretbaren Fällen müssten diese notfalls verschoben werden.

Reinhardt machte sich für verstärkte Kooperation zwischen den Krankenhäusern stark, um möglichst wenige Behandlungen verschieben zu müssen. Freie Kapazitäten müssten genutzt werden. Auch andere Patienten müssten möglichst voll versorgt werden. Die Länder sollten entsprechende Maßnahmen ergreifen. Bis zum Ende der Pandemie müssten die Länder diese auch finanzieren.

Einen Einsatz von Ärzten und Pflegekräften mit einer Ansteckung lehnte Reinhardt ab. „Coronainfizierte Ärzte gehören in Quarantäne und nicht ans Krankenbett.“ Der Einsatz von symptomfreien positiv getesteten Beschäftigten in der Patientenversorgung wäre für die Mitarbeiter enorm belastend und mit einem erheblichen Aufwand verbunden.

„Wir sollten alles dafür tun, dass uns solche letzten Maßnahmen zur Abwendung einer Versorgungsnotlage auf den Intensivstationen erspart bleiben.“

Ein Sprecher der Gewerkschaft ver.di hatte am Freitag der dpa gesagt, es seien nicht mehr nur Einzelfälle, in denen coronainfizierte Pflegekräfte in Deutschland zur Arbeit müssten. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuvor bestätigt, dies sei in Ausnah­me­­fällen vorgekommen. Beim Robert Koch-Institut heißt es zu infiziertem Personal: „In absoluten Ausnahmefällen ist die Versorgung nur von COVID-19-Patientinnen und -Patienten denkbar.“

Der Ärztepräsident dringt auf konsequenten Schutz der Beschäftigten vor Ansteckungen. Mindestens 21.000 Beschäftigte in Krankenhäusern, Arztpraxen und anderen Einrich­tungen des Gesundheitswesens hätten sich seit Beginn der Pandemie mit Corona infiziert. Aktuell seien es 1.700 Mitarbeiter. „Hier muss dringend etwas passieren.“

Mitarbeiter in den Kliniken meldeten, dass für engmaschige Testungen von Ärzten und Pflegepersonal die Kapazitäten fehlten, berichtete Reinhardt. „Bund und Länder müssen hier nachjustieren und die Produktion von Antigentests massiv fördern.“

Diese Schnelltests liefern nach rund einer halben Stunde ein Ergebnis. Für mehr Klarheit über die Aussagekraft der Tests braucht es nach Einschätzung des Ärztepräsidenten mehr öffentliche Forschung.

Die Ärzte wollen verstärkt Empfehlungen für die Coronapolitik von Bund und Ländern geben. Auf Initiative der Bundesärztekammer hatte sich dazu ein ärztlicher Pandemierat aus Vertretern medizinischer Fachgesellschaften und des öffentlichen Gesundheitsdienstes gebildet.

dpa

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