Ärzteverbände wollen mehr Gendermedizin im Medizinstudium

Berlin – Die Studierenden im Hartmannbund (HB) plädieren dafür, Gendermedizin als verpflichtendes Querschnittsfach im Medizinstudium einzuführen. In einem Brief an den Medizinischen Fakultätentag (MFT) warnen sie zusammen mit dem Deutschen Ärztinnenbund (DÄB) davor, Genderaspekte im Curriculum zu vernachlässigen.
Andere Länder seien bei dem Thema bereits weiter, so die HB-Studierenden, zum Beispiel Schweden, Kanada und die USA. Zusammen mit dem DÄB rufen sie den Medizinischen Fakultätentag dazu auf, sich aktiv um eine flächendeckende Repräsentanz von Gendermedizin in der Lehre zu bemühen. Dies sei wichtig, damit die Versorgungsqualität in Deutschland in Zukunft gewährleistet bleibe und nicht im internationalen Vergleich zurückfalle, betonen sie.
„Soweit es die Humanmedizin betrifft, ist die Vermittlung von geschlechtersensiblem Wissen an den Universitäten leider absolut unzureichend“, sagte Gabriele Kaczmarczyk, Vizepräsidentin des DÄB, bereits im Januar des Jahres bei der Vorstellung eines Gutachtens zum Thema, welches das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) finanziert hatte. Danach ist an den medizinischen Fakultäten die „strukturelle curriculare Integration von geschlechtersensiblen Aspekten noch nicht genügend vorangeschritten“.
So würden in 70,4 Prozent der medizinischen Fakultäten in Deutschland Medizinstudierende nur punktuell in einzelnen Lehrveranstaltungen auf die Geschlechterunterschiede bei Krankheiten, Symptomen und Therapien aufmerksam gemacht.
Ursachen dafür seien häufig eine mangelnde Bereitschaft beziehungsweise ein geringes Problembewusstsein sowie die fehlende Qualifizierung der Lehrkräfte. „Das ist ernüchternd“, kommentierte Kaczmarczyk. Den Studierenden selbst sei die Bedeutung der Gendermedizin für die Qualität der medizinischen Versorgung inzwischen aber oft bewusst.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: