Ärzteschaft

Ärztinnen mit zusehends größerem Anteil in den Praxen

  • Donnerstag, 9. März 2023
/Kzenon, stock.adobe.com
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Berlin – Bei der Gesundheitsversorgung in den Praxen kommen Ärztinnen und Psychotherapeutinnen auf einen zusehends größeren Anteil. Zusammengenommen sind sie erstmals knapp in der Mehrzahl im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen, wie eine neue Auswertung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) mit Stand Ende vergangenen Jah­res ergab.

Der Frauenanteil überschritt die 50-Prozent-Marke und liegt nun bei 50,7 Prozent. Dabei stieg er bei Psycho­therapeutinnen weiter auf 76,8 Prozent und bei Ärztinnen auf 45,2 Prozent.

Unter dem Alter von 50 Jahren liegen Ärztinnen mittlerweile in den Praxen vorne: Bis 39 Jahre beträgt der Frauenanteil jetzt 58 Prozent, wie die Daten zeigen. Zwischen 40 und 49 Jahren kommen Ärztinnen auf 53,8 Prozent.

Dagegen dominieren zwischen 50 und 59 Jahren Ärzte mit 54 Prozent. Über 65 Jahre liegt der Männeranteil bei mehr als 72 Prozent. Insgesamt waren Ende 2022 laut Bundesarztregister 185.298 Ärzte und Psychothe­rapeu­ten mit einer Zulassung für die Versorgung gesetzlich versicherter Patienten tätig. Das war ein Plus von 1,1 Prozent.

Den stärksten Zuwachs gab es bei Psychotherapeuten – ihre Zahl nahm binnen Jahresfrist um 4,1 Prozent auf 32.601 zu. Jedoch entscheiden sich weiterhin viele für flexiblere Arbeitsformen. So stieg die Zahl angestellter Ärzte und Ärztinnen, die keine eigene Praxis haben, auf 46.109.

Der Trend zu mehr Teilzeit verstärkte sich weiter. Größere Zuwächse gab es bei Nervenärzten mit 1,9 Prozent, die Zahl der Hausärzte sank leicht um 0,3 Prozent.

„Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, damit die Niederlassung für junge Kolleginnen und Kollegen attraktiv bleibt“, sagte KBV-Chef Andreas Gassen. Dazu gehöre, dass sie eins zu eins vergütet bekämen, was sie leisteten. Gassen mahnte bei der Politik Wertschätzung für die getane Arbeit an, die mit 650 Millionen Behand­lungsfällen im Jahr enorm sei.

„Die wohnortnahe Sicherstellung der ambulanten Versorgung bleibt eine unserer größten Herausforde­run­gen“, erklärte Stephan Hofmeister, stellvertretender KBV-Vorstandsvorsitzender. „Während die Nachfrage nach Leistungen durch die demografische Entwicklung quasi automatisch steigt, gehen die zur Verfügung stehen­den ärztlichen Ressourcen zurück.“ Deshalb forderte der KBV-Vize, dass die Attraktivität der selbstständigen Niederlassung gesteigert werden müsse.

Hofmeister betonte, die Arbeitsbedingungen müssten verbessert werden. Dazu gehörten Anpassungen der Vergütung, aber auch der Abbau der überbordenden Bürokratie, damit sich Ärzte und Mitarbeitende in den Praxen wieder primär um die Patientenversorgung kümmern könnten. „Dazu zählt ebenso eine konsequente ambulante Weiterbildung und eine Digitalisierung, die in den Praxen tatsächlich hilft.“

„Gesellschaft und Politik müssen die Niederlassung fördern. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber leider nicht“, sagte KBV-Vorstandsmitglied Sibylle Steiner aus. Das ungeheure Engagement der Niedergelassenen und ihrer Teams gehe an die Grenzen der Leistungsfähigkeit und oftmals darüber hinaus.

dpa/may

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