Vermischtes

Aktivität von SARS-CoV-2 und Influenza steigt laut RKI allmählich

  • Donnerstag, 8. Oktober 2026
/Subbotina Anna, stock.adobe.com
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Berlin – Während manche anderen Länder einen frühen Start in die Influenzasaison verzeichnen, hält sich die Entwicklung in Deutschland bisher im Rahmen. „Die Aktivität von SARS-CoV-2, Influenzaviren und RSV ist derzeit in allen Systemen noch niedrig“, schreibt die Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert-Koch-Institut (RKI) in ihrem Wochenbericht zu akuten respiratorischen Erkrankungen von gestern.

Es zeige sich aber in den vergangenen Wochen ein allmählicher Anstieg der SARS-CoV-2- und Influenza-Aktivität. Insgesamt wird die Inzidenz der Atemwegserkrankungen in der 40. Kalenderwoche (28. September bis 4. Oktober) auf moderatem, für die Jahreszeit üblichen Niveau gesehen. In Abwasseruntersuchungen, die als Frühwarnsystem gelten, zeigt sich dem Bericht zufolge ein seit Wochen steigender SARS-CoV-2-Trend.

Regional können sich die Trends unterscheiden: Die Münchner Virologin Ulrike Protzer legt im Gespräch besonderes Augenmerk auf die Entwicklung in Süddeutschland, wo sich die Zahl der akuten Atemwegsinfektionen binnen zwei Wochen fast verdoppelt habe. Das vor wenigen Tagen zu Ende gegangene Oktoberfest in München etwa gilt jedes Jahr als Superspreader-Event.

In untersuchten Sentinelproben dominieren dem RKI-Bericht zufolge bisher Rhino-/Enteroviren und Parainfluenzaviren. Unterdessen gibt es in Großbritannien und an der US-Westküste Anzeichen für einen besonders frühen Start der Grippesaison, wie das Portal Nature berichtet. Der Anteil positiver Tests sei dort bereits unüblich hoch. Verwiesen wird in dem Artikel auch auf Japan, wo es kurz nach Ende der Sommerferien zu Schulschließungen kam.

Influenza A(H1N1)-Subklade mit bestimmter Mutation im Blick

Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC deuten bisher auf eine Dominanz von Influenza A (H1N1) hin. Dem Nature-Bericht zufolge ist einem US-Labor bei den bisherigen Fällen eine bestimmte Mutation (G155E) mehrfach aufgefallen. Diese war bereits kürzlich in einem Preprint zu Ergebnissen von Neutralisationstests thematisiert worden.

Eine Gruppe um den US-Forscher Jesse Bloom berichtete darin, dass Antikörper in den getesteten Seren unter anderen gegen die H1N1-Subklade D.3.1.1. mit Mutationen wie G155E schlechter binden. Insbesondere betraf dies Proben von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 25 Jahren.

Die H1N1-Subklade D.3.1.1. ist nicht völlig neu aufgekommen: Sie zirkuliert nach WHO-Angaben bereits seit einigen Monaten, wurde aber zuletzt in Teilen Asiens häufiger. Die Lage und auch die verschiedenen beobachteten Mutationen werden vom weltweiten Influenza-Überwachungssystem der UN-Sonderorganisation verfolgt.

Ein früher Beginn der Grippesaison in einigen Regionen der Welt ist nach WHO-Einschätzung erst einmal nicht ungewöhnlich, dies hänge jedoch von vielen verschiedenen Faktoren ab, nicht nur von der Virusentwicklung.

Impfung für junge Risikogruppen wichtig

„Die Mutation bei H1N1 sollte sicherlich beobachtet werden“, sagte Protzer dem Deutschen Ärzteblatt. Die Altersunterschiede bei der Neutralisation seien durch das unterschiedliche Immungedächtnis zu erklären: Bei den Jüngeren sei die Immunität durch frühere Infektionen und/oder Impfungen noch nicht so breit wie bei älteren Menschen.

Die Erkenntnisse aus den USA untermauerten noch einmal die Bedeutung des kürzlich veröffentlichten Hinweises der Ständigen Impfkommission (STIKO) zu den zu niedrigen Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Grunderkrankungen, sagte die Leiterin der Abteilung für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, Berit Lange, dem Deutschen Ärzteblatt heute. Sie ist Mitglied der STIKO. 

Nur zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen mit impfrelevanter Grunderkrankung waren in den Saisons von 2014/15 bis 2024/25 jeweils gegen Influenza geimpft, hatte kürzlich eine Auswertung gezeigt. Die Risikopopulation umfasst nach STIKO-Schätzung 1,2 Millionen Kinder und Jugendliche.

„Eine stärkere Sensibilisierung der Ärztinnen und Ärzte für die Influenza-Impfung bei Kindern und Jugendlichen mit Grunderkrankung könnte einen wichtigen Beitrag zur Prävention schwerer Influenza-Krankheitsverläufe leisten“, hieß es dazu im Epidemiologischen Bulletin des RKI.

Günstigster Impfzeitpunkt schwer zu schätzen

Die Zusammensetzung der Influenza-Impfstoffe in dieser Saison lasse mit Blick auf die zu Ende gehende Saison auf der Südhalbkugel eine gute Passgenauigkeit erwarten, so Protzer. „Obwohl die prädominanten Stämme in Australien und in Japan sehr unterschiedliche waren, sind beide trotzdem in unseren Impfstoffen mit abgedeckt.“ Selbst wenn die Impfstoffzusammensetzung sich am Ende wegen Mutationen nicht als optimal erweisen sollte, sei dies besser als keine Impfung.

Erste Impfeffektivitätsdaten aus unseren Breiten seien in den kommenden Wochen zu erwarten, sagte Lange, etwa aus Großbritannien. Auch wenn in Deutschland bisher keine so frühe Häufung der Influenza wie andernorts zu beobachten ist: Gegen ein allzu langes Hinauszögern der Impfung spricht auch, dass es bis zum Aufbau des maximalen Impfschutzes rund zwei Wochen dauert.

Wann genau die Influenzawelle in dieser Saison komme – ob vor oder nach Weihnachten, vor oder nach Karneval – „das weiß keiner“, sagte der STIKO-Vorsitzende Reinhard Berner. Es könnten ohnehin nicht alle Menschen gleichzeitig geimpft werden, daher sei die Suche nach dem optimalen Zeitpunkt für sich selbst oder für Patienten schwierig. Man müsse vielmehr Gelegenheiten nutzen, etwa wenn ein Patient sowieso gerade in der Praxis sei.

Abgesehen von ähnlichen Mustern bei der Ausbreitung von Erregern – erst Erkältungen, später Influenza und RSV – gelten Vorhersagen zu bevorstehenden Saisons aber als schwierig. Die Frage, wie die Grippewelle wirklich verläuft, werde dadurch mitbestimmt, wie viele Menschen sich jetzt impfen lassen, betonte Lange. Sie rief die Gruppen mit entsprechender Indikation dazu auf, die Angebote wahrzunehmen

Nicht nur vorerkrankte Kinder weisen in Deutschland niedrige Influenza-Impfquoten auf, dies betrifft auch die anderen Gruppen.

Bisherige Impfquoten unzureichend

Einen Grund sieht der STIKO-Vorsitzende Berner darin, dass Risikofaktoren wie beispielsweise Immunsuppression, chronische Lungenerkrankung oder Herzerkrankung noch nicht gut genug an Patientinnen und Patienten kommuniziert würden. „Ich glaube, da müssen wir noch klarer werden und die Leute müssen noch besser verstehen, was sind die Risikofaktoren und warum gehören sie dazu.“

Eine der weiteren Hürden ist für Berner, dass Impfungen von Menschen mit schweren Grunderkrankungen bisher nicht von Krankenhäusern abgerechnet werden können, obwohl diese Patientengruppen dort dafür erreichbar wären. Er berichtete von Gesprächen der Uniklinik Dresden mit einem großen Krankenversicherer in Sachsen, um hier voranzukommen. Er hoffe, dass dies Modellcharakter haben könne.

Grippe- und RSV-Wellen nach der Pandemie wieder typischer

Infolge der SARS-CoV-2-Pandemie hatten sich Verläufe von Erkrankungswellen teils verschoben: Bei Influenza und RSV etwa habe es nach den starken Kontaktbeschränkungen zunächst immer frühere und stärkere Wellen gegeben, sagte Lange.

Erst in den vergangenen zwei, drei Jahren bewege man sich wieder in „relativ typische Atemwegssaisons“ hinein, mit dem Höhepunkt der Wellen eher spät in Richtung Jahreswechsel oder danach.

Bei SARS-CoV-2 hingegen sehe man einen relevanten Beginn bereits im Spätsommer, „sozusagen außerhalb der typischen Atemwegssaison“, so Lange. Dieses Phänomen beobachtet die WHO auch international.

Vergangene Saison als moderat bewertet

Auch im vergangenen Herbst hatte es Befürchtungen gegeben, dass eine frühe und schwere Grippewelle bevorstehen könnte. Hintergrund war eine neu aufgekommenen Subklade K von Influenza A(H3N2), die bei der Zusammensetzung der Influenza-Impfstoffe noch nicht absehbar gewesen war, die letztlich aber das Infektionsgeschehen prägte.

Das RKI legte kürzlich einen Bericht mit einer Bilanz zur Saison 2025/26 vor: Demnach begann die Grippewelle voriges Jahr zwei bis drei Wochen früher als in den beiden Vorsaisons. Die Aktivität wurde als moderat eingestuft. Schätzungsweise seien etwa 14 Prozent der Bevölkerung an Influenza erkrankt, hieß es.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Influenza- und RSV-Infektionen in der Saison schätzt das RKI auf etwa 16.000, weniger als in der Saison davor (19.000). Dies betraf vor allem Menschen ab einem Alter von 85 Jahren. Zahlen nur zu Sterbefällen im Zusammenhang mit Influenza weist das RKI nicht aus.

Insgesamt geht das RKI für die vergangenen Saison 2025/26 von geschätzt rund 180 Millionen akuten Atemwegserkrankungen in Deutschland aus – mit Höhepunkt der Aktivität Ende Januar bzw. Anfang Februar 2026. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete.

ggr

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