Ausgaben der Krankenkassen steigen weiter zu stark: Warken für Ausbau des Sparpakets

Berlin – Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres mit rund 7,6 Prozent deutlich stärker als die Beitragseinnahmen (rund 4,1 Prozent) gestiegen. Das geht aus heute vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) vorgelegten offiziellen Zahlen hervor.
Wie das BMG betont, führt dies zu einem weiter hohen Druck auf die Beitragssätze. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plädierte dafür, das Entlastungsvolumen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes aufzustocken.
„Die Finanzergebnisse für das 1. Quartal unterstreichen die extrem angespannte Lage in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Ausgaben steigen nahezu doppelt so stark wie die Einnahmen“, erläuterte Warken. Die vom Schätzerkreis unerwartet ungebrochene Ausgabenentwicklung führe nochmal zu einer höheren Finanzierungslücke im kommenden Jahr von insgesamt 19 Milliarden Euro.
Um Beitragssteigerungen auszuschließen, müsse das Entlastungsvolumen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes um weitere 2,5 Milliarden Euro erhöht werden. „Das sollte gemeinsames Ziel im parlamentarischen Verfahren sein“, so die Ministerin. Bei diesem Finanzvolumen sei es unvermeidbar, dass alle Leistungsbereiche einen Beitrag leisten würden.
Zwar haben die 93 Krankenkassen im 1. Quartal 2026 einen Überschuss in Höhe von 1,3 Milliarden Euro erzielt. Dieser Überschuss ist jedoch aus Sicht des Ministeriums das Ergebnis der Beitragssatzanhebungen zum Jahresbeginn und dient vorrangig der Auffüllung der Finanzreserven der Krankenkassen auf das gesetzliche Mindestniveau.
Die Finanzreserven der Krankenkassen betrugen zum Quartalsende rund 6,18 Milliarden Euro. Dies entspricht rund 0,2 Monatsausgaben und liegt damit – zumindest im Durchschnitt über alle Kassen – erstmals seit dem 3. Quartal 2024 wieder auf Höhe der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve.
Den Einnahmen der Krankenkassen in Höhe von 94,4 Milliarden Euro standen im 1. Quartal 2026 Ausgaben in Höhe von 93,1 Milliarden Euro gegenüber. Der durchschnittlich von den Kassen erhobene Zusatzbeitragssatz entsprach Ende März 3,13 Prozent und lag damit oberhalb des Ende Oktober 2025 für das Jahr 2026 bekanntgegebenen durchschnittlichen ausgabendeckenden Zusatzbeitragssatzes von 2,9 Prozent.
Die Krankenkassen verzeichneten im 1. Quartal 2026 einen weiterhin äußerst dynamischen Anstieg der Leistungsausgaben von acht Prozent – dies liegt deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Die Verwaltungskosten stagnierten auf dem Vorjahresniveau. In absoluten Zahlen stiegen die Leistungsausgaben der Krankenkassen um 6,6 Milliarden Euro, während sich die Verwaltungskosten sogar um eine Million Euro verminderten.
Bundesgesundheitsministerium sieht Klinikausgaben als Treiber
Die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen sind im 1. Quartal den Daten zufolge um 9,3 Prozent (2,5 Milliarden Euro) gestiegen – dies stellt für das BMG „den maßgeblichen Treiber der hohen Ausgabendynamik dar“. Der prozentuale Zuwachs liege mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt der jährlichen Zuwächse im Zeitraum 2013-2024 und nochmals leicht über der Dynamik im bisherigen Rekordjahr 2025, hieß es.
Hierbei sei jedoch zu beachten, so das BMG, dass die Krankenhäuser im Zeitraum von November 2025 bis Oktober 2026 von Rechnungszuschlägen zur Finanzierung der Soforttransformationskosten in Höhe von 3,25 Prozent des Rechnungsbetrags profitierten.
Doch auch bereinigt um diesen Effekt und trotz der mit dem Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege Ende vergangenen Jahres verabschiedeten Begrenzung der Anstiege der Landesbasisfallwerte sowie der Budgets psychiatrischer und psychosomatischer Krankenhäuser liege das Wachstum im Krankenhausbereich „deutlich oberhalb des langjährigen Mittels und deutlich oberhalb der Zuwächse bei den beitragspflichtigen Einnahmen“.
Die Aufwendungen für die Versorgung mit Arzneimitteln stiegen den KV45-Zahlen nach um 6,4 Prozent (0,9 Milliarden Euro) und damit etwas stärker als im Gesamtjahr 2025 (plus 5,7 Prozent). Auch in diesem Bereich sieht das BMG eine Ausgabendynamik „deutlich oberhalb der Zuwächse bei den beitragspflichtigen Einnahmen“.
Bei den Ausgaben für ambulant-ärztliche Behandlungen gab es in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 einen Anstieg um 7,3 Prozent (eine Milliarde Euro). Im Heilmittelbereich gab es im ersten Quartal 2026 ein Wachstum von 10,2 Prozent (357 Millionen Euro).
Die Ausgaben für Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen, die nach den pandemiebedingten Einbrüchen des Jahres 2020 im Schnitt um rund 10,4 Prozent pro Jahr wuchsen, entwickelten sich mit einer Steigerung von 9,0 Prozent (111 Millionen Euro) ebenfalls dynamisch fort. Auch die Aufwendungen für Fahrkosten verzeichnen mit 9,2 Prozent (237 Millionen Euro) eine hohe Wachstumsrate.
Insgesamt liege die Ausgabendynamik in der Breite der GKV-Ausgabenbereiche seit einigen Jahren weit oberhalb dessen, was durch die gesamtwirtschaftliche Dynamik bei Löhnen, Gehältern und Renten der GKV-Mitglieder erwirtschaftet werden kann, warnt das BMG.
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