Baden-Württemberg: Marburger Bund beklagt systematische Befristung ärztlicher Stellen

Kirchheim – Über 80 % der Ärztinnen und Ärzte an den Universitätskliniken in Baden-Württemberg sind aktuell befristet angestellt, dies ergab eine Mitgliederbefragung des Marburger Bundes Baden-Württemberg. Mehr als die Hälfte der Ärzte, die aktuell oder in den vergangenen zehn Jahren befristet angestellt sind oder waren, haben demnach bereits in Erwägung gezogen, sich aufgrund dieser Befristung eine andere Arbeitsstelle zu suchen.
„Befristete Arbeitsverträge sollten die Ausnahme und nicht die Regel sein“, betonte Sylvia Ottmüller, 1. Landesvorsitzende des Marburger Bundes Baden-Württemberg. Die Zahlen der Mitgliederbefragung von Anfang des Jahres 2021 seien „schockierend“. Insbesondere wenn man bedenke, dass im pflegerischen Bereich an den Universitätskliniken nur um die 3 % der Arbeitsverträge befristet sind.
„Wissenschaftsministerin Theresia Bauer könnte in einem ersten Schritt, mit einer einzigen Unterschrift, die Zahl der unbefristet angestellten ÄrztInnen an den Universitätskliniken von 20 auf 40 % verdoppeln. Wir fordern Frau Bauer auf, hier endlich aktiv zu werden. Seit Jahren wird uns zugesagt, dass die Befristungsquote gesenkt wird, doch nichts geschieht.“
Im Berufsalltag führe die Befristungspraxis laut Marburger Bund zu vielfältigen Problemen für die Ärzte, die sich auch negativ auf die Patienten auswirken können. Der Marburger Bund fordert deshalb einen Stufenplan zur Entfristung angestellter Ärzte – im ersten Schritt solle eine Verdoppelung des Anteils unbefristeter Verträge an Universitätskliniken von bisher 20 % auf 40 % erfolgen.
Im zweiten Schritt fordert der Ärzteverband für alle Krankenhäuser im Land, Ärzte die ihre Facharztweiterbildung abgeschlossen haben, unbefristet zu beschäftigen. In einem dritten Schritt fordert der Verband langfristig, alle ärztlichen Arbeitsverträge zu entfristen.
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