Bayerische Ärztekammerdelegierte rufen nach mehr Engagement gegen Ärztemangel

Landshut – Die 180 Delegierten des 82. Bayerischen Ärztinnen- und Ärztetages (BÄT) haben die Politik aufgerufen, den Ärztemangel intensiver zu bekämpfen. „Entscheidende notwendige Reformen dürften nicht länger aufgeschoben werden“, betonten die Kammervertreter am vergangenen Wochenende in Landshut.
Der seit langem ausgearbeitete „Masterplan Medizinstudium 2020“ müsse bundesweit umgesetzt werden. Delegationskonzepte, zum Beispiel an qualifiziertes Assistenzpersonal, eine praxistaugliche, rationale Digitalisierung, Kooperationen in Form von Praxisnetzen, sowie eine ausreichende Finanzierung müssten zeitnah umgesetzt werden, so die Forderungen.
Bayerns scheidender Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hat die Bundesregierung zum Ende seiner Amtszeit auf dem Treffen aufgefordert, die Arbeits- und Rahmenbedingungen für niedergelassene Ärzte zu verbessern. „Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sind das Rückgrat der flächendeckenden medizinischen Versorgung in Bayern. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, muss die Bundesregierung jetzt handeln“, sagte er.
Wichtig sei, die Ausbreitung investorenbetriebener Medizinischer Versorgungszentren per Gesetz zu regulieren und Bürokratie abzubauen. „Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte müssen auch endlich angemessen vergütet werden“, sagte der Minister in Landshut. Holetschek Amtszeit als bayerischer Gesundheitsminister endete nach knapp drei Jahren wegen seiner Wahl zum CSU-Fraktionsvorsitzenden.
Die Kammerdelegierten drängten auf dem Treffen außerdem auf mehr Medizinstudienplätze, um den Bedarf an Ärzten in Bayern und Deutschland langfristig zu decken. Gleichzeitig sollten zusätzliche Mittel bereitgestellt werden, um den Ausbau der universitären Infrastruktur einschließlich Lehrkräften und klinischer wie ambulanter Ausbildungsstätten zu unterstützen. Nur so könne eine steigende Anzahl von Medizinstudierenden angemessen betreut werden, betonten die Delegierten.
Der Landesärztetag forderte die Politik außerdem auf, die Attraktivität des Berufsbildes der Medizinischen Fachangestellten zu steigern und einen Sonderfonds zu schaffen, aus dem der Umbau ärztlicher Praxen in Bayern zu klimaschonender Infrastruktur unterstützt werden soll. Das Ärzteparlament wies die Politik außerdem auf „untragbare Lieferengpässe bei Medikamenten“ hin.
Täglich müssten die Praxen viele Telefonate mit Apotheken führen, um zu besprechen, welche Medikamente verfügbar seien. „Dieser unhaltbare Zustand muss durch eine Rückverlagerung der Medikamentenproduktion nach Europa unverzüglich beendet werden“, so die Delegierten.
Das bayerische Ärzteparlament fasste außerdem Beschlüsse zum Thema Kindergesundheit: So wurde die Bayerische Staatsregierung aufgefordert, einen Kinderbeauftragten zu berufen, ein Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel durchzusetzen und in Kindertageseinrichtungen gesunde Mahlzeiten anzubieten.
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