Bayerns Ärztekammerpräsident erwartet längere Wege für Patienten
München – Die medizinische Versorgung in Bayern entwickelt sich nach Ansicht des neuen Präsidenten der Landesärztekammer, Gerald Quitterer, zwar in die richtige Richtung. Er verlangt aber dennoch größere Anstrengungen von der Politik, um einen drohenden Ärztemangel zu verhindern. Für Patienten erwartet er in ländlichen Regionen weitere Wege.
Quitterer, der eine Hausarztpraxis im niederbayerischen Eggenfelden hat, sieht bei den Allgemeinärzten eine Trendwende. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Facharztprüfungen, die Nachwuchs-Hausärzte abgelegt haben, nach einem jahrelangen Rückgang wieder um ein Zehntel gestiegen. Er räumt zwar ein, dass die Zahl der berufstätigen Ärzte in Bayern seit Mitte der 1990er-Jahre um rund 40 Prozent gewachsen ist. Dennoch müsse mehr getan werden, um die Versorgung zu sichern, glaubt er. „Die Patienten werden älter und Nachwuchsärzte arbeiten öfter in Teilzeit, deshalb brauchen wir drei Nachrücker, um zwei freiwerdende Stellen zu ersetzen“, erklärte Quitterer.
Mehr Studienplätze notwendig
Der Ärztekammerpräsident fordert deshalb eine Aufstockung der Zahl der Medizinstudienplätze um ein Zehntel. Außerdem sollten Studienplätze seiner Ansicht nach bevorzugt an Bewerber vergeben werden, die sich für eine Arbeit in ländlichen Regionen interessieren. Als Beispiel nannte er Schönau, die Nachbargemeinde seines Heimatortes Eggenfelden, wo gerade ein Hausarzt gesucht werde. „Ich denke, dass nach Schönau gerne einer gehen würde, der aus Schönau kommt. Wenn der aber keinen Einser im Abitur hat, dann kriegen wir den nicht“, sagte er.
Gerade in ländlichen Regionen müssten Patienten sich auf längere Anfahrten etwa zum nächsten Krankenhaus einstellen, erwartet Quitterer. Um weiterhin den aktuellen Stand der Medizin erbringen zu können, müssten sich Kliniken stärker auf bestimmte Felder konzentrieren. „Ein kleines Krankenhaus kann nicht gleichzeitig eine Schlaganfallstation und einen Herzkatheter vorhalten“, sagte der Ärztepräsident. Weitere Wege müssten aber unterm Strich kein Nachteil sein, glaubt Quitterer. Manche Patienten müssten zwar eine längere Strecke zurücklegen, könnten dann aber wesentlich besser versorgt werden.
Kritik einzelner Ärztinnen daran, dass im neuen dreiköpfigen Präsidium der Landesärztekammer keine Frau mehr vertreten ist, hält Quitterer für unbegründet. Zwar gehen inzwischen rund 60 Prozent der Medizinstudienplätze an Frauen, doch das rein männliche Kammerpräsidium vertrete „die Interessen von Ärztinnen genauso wie die von Ärzten“, betonte Quitterer.
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