Berliner Krankenhäuser bereiten sich auf Kriegsfall vor

Berlin – Das Land Berlin will gemeinsam mit den Berliner Krankenhäusern eine Krankenhausversorgung in der Stadt aufbauen, die auch in einem Krisenfall funktioniert: zum Beispiel während eines Krieges, in den Deutschland als Mitglied der NATO involviert ist.
Dafür hat die Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege heute den Rahmenplan „Zivile Verteidigung Krankenhäuser“ vorgelegt.
In dem Plan sind zahlreiche Aufgaben unter anderem für die Berliner Krankenhäuser benannt, mit denen diese sich in Vorbereitung auf einen Krisenfall in den nächsten Jahren beschäftigen wollen.
Dabei geht es um die Fragen, welches Personal im Krisenfall zur Verfügung stehen kann, welche Arznei- und Sanitätsmittel bevorratet werden sollten und wie die Vorbereitungen zu finanzieren sind.
Für die Umsetzung des Plans wurden zwölf Berliner Krankenhäuser benannt. Es ist der erste Plan dieser Art in einem deutschen Bundesland.
Unaufgeregt auf den Krisenfall vorbereiten
„Oberstes Ziel des Rahmenplans ist die Sicherstellung der medizinischen und notfallmedizinischen stationären Versorgung in Berlin in besonderen Krisen- und Notlagen, um die Bevölkerung auch weiterhin versorgen zu können“, erklärte die Berliner Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) bei der Vorstellung des Rahmenplans.
Aufgrund der veränderten Gefährdungslage nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sei es notwendig geworden, die zivile Verteidigung stärker auszubauen als dies in den vergangenen Jahren der Fall gewesen sei.
Durch regelmäßige Notfallübungen seien die Berliner Krankenhäuser heute gut darauf vorbereitet, auf akute Gefahrenlagen zu reagieren, sagte der Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG), Marc Schreiner.
„Mögliche besondere Krisenlagen infolge externer sicherheitspolitischer Spannungen, etwa durch militärische Konflikte, erfordern allerdings weitergehende Vorbereitungen auf größere und längere Konfliktsituationen.“ Über einen längeren Zeitraum komplexe Behandlungen unter Krisenbedingungen anbieten zu können, brauche gute Organisation der Personal- und Prozesskapazitäten.
„Es ist wichtig, dass wir jetzt unaufgeregt, aber mit Weitsicht und konkret darüber sprechen, wie sich die Berliner Krankenhäuser als wesentlicher Teil der Zivilvorsorge auf einen Krisenfall vorbereiten können“, meinte Schreiner. Der Rahmenplan biete für die Krankenhäuser einen umfassenden und verbindlichen Leitfaden, wie sie sich auf einen Krisenfall vorbereiten können.
Lieferketten, Personal und Notstromversorgung
Konkret geht es in dem Rahmenplan insbesondere um das Verhindern eines Ausfalls von Dienstleistungen und Lieferketten, die Mehrfachverplanung von Personal im Bevölkerungsschutz oder um besondere Verletzungsmuster, auf die sich die Krankenhäuser vorbereiten müssen.
Weitere Themen sind Krankenhaus- und Katastrophenschutzübungen, der Wechsel vom Regel- in den Krisenbetrieb, die Patientensteuerung, eine ausreichende Notstromversorgung und die Sicherstellung der Versorgung von Sanitätsmaterial und Arzneimitteln.
Aus Sicherheitsgründen ist der Rahmenplan nicht öffentlich zugänglich. Czyborra wies darauf hin, dass der Rahmenplan ab jetzt permanent weiterentwickelt werde. Die Aktivitäten in Berlin würden dabei sowohl mit den anderen Bundesländern abgestimmt werden als auch mit dem Bund und der Europäischen Union.
„Es ist wichtig, dass wir uns jetzt auf eine mögliche Gefährdungslage vorbereiten“, sagte Czyborra. „Das macht uns als Gesellschaft stark und es hilft uns auch in Friedenszeiten, zum Beispiel beim Umgang mit Extremwetterereignissen, die sich im Zuge des Klimawandels mehren werden.“ Wenn man sich heute stark aufstelle, wird man zudem auch als weniger interessantes Angriffsziel wahrgenommen.
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