Briefe an die Hinterbliebenen: Viele Organempfänger bedanken sich

Frankfurt am Main – Ein anonymes Dankeschön: Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) möchte sich besonders um Angehörige von Organspendern kümmern. So leitet die DSO etwa anonymisierte Briefe von Organempfängern weiter. „In allen Regionen wird eine Betreuung von Angehörigen von Organspendern angeboten. Es ist uns ein Herzensanliegen“, sagte die geschäftsführende Ärztin der DSO-Region Mitte, Ana Paula Barreiros, gestern in Frankfurt.
Die gespendeten Organe eines Menschen könnten sieben Leben retten, erklärte die Stiftung. Nur wenige Menschen würden sich zu Lebzeiten registrieren lassen oder einen Spenderausweis ausfüllen. Dann müssten Hinterbliebene eine Entscheidung fällen und sich in ihrem persönlichen Umfeld zuweilen auch dafür rechtfertigen. „Wir möchten uns um diese Menschen besonders kümmern“, sagte Barreiros.
Die Preisgabe der Identität zwischen Spenderfamilien und Empfängern ist in Deutschland gesetzlich verboten. Allerdings gibt es seit 2019 die Möglichkeit, anonymisierte Dankesschreiben zu verfassen.
Lea Jantschke, deren Mutter an einem Aneurysma starb, erhielt rund um den ersten Todestag einen solchen Dankesbrief. „Es war ein ganz, ganz toller Moment und ich bin unfassbar dankbar, dass wir diesen Brief damals bekommen haben.“ Es sei wie ein Gruß ihrer Mutter gewesen.
Sascha Brandhorst erhielt in höchster Not eine Spenderlunge. „Ich säße sonst heute nicht hier. Ich wäre tot.“ Nur Tage wären ihm damals noch geblieben. Er habe ein halbes Jahr gebraucht, Worte zu finden: „Auf der einen Seite weiß man, dass die Familie leidet, durch die ich die Lunge erhalten habe. Auf der anderen Seite war bei uns in der Familie große Dankbarkeit.“ Er sei froh, dass er geschrieben habe.
Viele Schreiben setzen sich genau mit diesem Zwiespalt auseinander. „Die Worte sind schwer zu finden, um die Tiefe meiner Dankbarkeit auszudrücken, ohne die Schwere Ihres Verlusts zu schmälern“, steht in einem handgeschriebenen Brief eines Organempfängers. Für den Menschen, der ihn verfasst hat, hat sich das Leben enorm verändert: „Jeder Atemzug ist ein Beweis für die Großzügigkeit Ihres geliebten Menschen.“
Bundesweit gab es laut DSO voriges Jahr in Deutschland 985 Spender. 3.256 Organe wurden transplantiert. Die Stiftung setzt sich seit Jahren für eine Neuregelung der Gesetzeslage ein, damit Organe prinzipiell entnommen werden dürfen, sofern der gestorbene Mensch einer Organspende zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. Aktuell ist eine Organ- oder Gewebeentnahme nur nach Zustimmung von Verstorbenen oder stellvertretend der Angehörigen zulässig.
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