Ärzteschaft

Deutschland bei Preisen für ambulante Leistungen international im Mittelfeld

  • Montag, 8. Januar 2024
/picture alliance, Benjamin Nolte
/picture alliance, Benjamin Nolte

Berlin – Ambulante ärztliche Leistungen sind in Deutschland nicht teurer als in anderen westlichen Ländern – das Preisniveau liegt vielmehr im Mittelfeld. Ein entsprechendes Gutachten des Hamburg Center for Health Economics hat heute das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) vorgelegt.

Danach werden zum Beispiel etwa Hausbesuche in anderen Ländern mit einer Spanne von 17 bis zu 59 Euro vergütet. In Deutschland liegt die Vergütung bei 28 Euro.

Aber auch eine in Deutschland vermeintlich als hochpreisig geltende Magnetresonanztomografie des Knies liegt mit 128 Euro am unteren Rand des bis über 300 Euro reichenden internationalen Preisspektrums.

Bei der Notfallversorgung stellt Deutschland mit einer Vergütung von rund 22 Euro sogar das Schlusslicht dar. Spitzenreiter bei fast allen betrachteten Preisen ist dem Gutachten zufolge die Schweiz.

Deutschland gibt nach Zi-Angaben im internationalen Vergleich einen hohen Anteil der Wirtschaftsleistung für die Finanzierung des Gesundheitswesens aus. Die ambulanten Preise seien aber nicht der Grund dafür, sondern die hohe Inanspruchnahme, schreibt das Zi.

„Es ist davon auszugehen, dass die im internationalen Vergleich höheren Einkommen der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland und der Schweiz für Deutschland auf einer überdurchschnittlichen Inanspruchnahme der Praxen beruhen, während in der Schweiz höhere Preise gezahlt werden“, hieß es aus dem Institut.

Das lege auch ein Vergleich der Patientenkontakte je Ärztin/Arzt der Organisation für wirtschaftliche Zusamm­en­arbeit und Entwicklung (OECD) nahe. Hier liegt Deutschland laut Zi mit rund 2.300 Kontakten pro Ärztin/Arzt und Jahr an erster Stelle, knapp vor den Niederlanden und über dem OECD-Durchschnitt.

Für den Zi-Vorstandsvorsitzenden Dominik von Stillfried klafft in der ambulanten Versorgung eine Finanzie­rungslücke von fast zwei Milliarden Euro. „Das spürt jede einzelne Praxis. Seit Jahren können Anpassungen der Gebü­hrenordnung für ärztliche Leistungen nicht mit der Kostenentwicklung in den Praxen mithalten“, kritisierte er.

Für die Studie hat das Institut der Universität Hamburg sechs Leistungsbereiche ausgewählt: zwei Grundleis­tungen der Primärversorgung (einfache Konsultation und Hausbesuche), eine Notfallkonsultation und mit der Humane Papillomviren-Impfung eine präventive Maßnahme.

Zudem sind eine diagnostische Leistung (MRT des Knies) und eine operative Leistung (Operation an der Hernie) einbezogen worden. Die Angaben zur Vergütung stammen aus den jeweiligen Leistungskatalogen ausgewählter Länder, nämlich von Australien, Dänemark, England, Frankreich, die Niederlande, Österreich und der Schweiz.

hil

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung