Diabetesgesellschaft will eigenständiges digitales DMP Diabetes

Berlin – Das Disease Management Programm (DMP) Diabetes stößt zunehmend an Grenzen durch analoge Abläufe, fehlende Datennutzung und Brüche zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Das kritisiert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und schlägt nun in einem Impulspapier ein eigenständiges digitales DMP (dDMP) vor.
Es brauche einen grundlegenden Neustart der Diabetesversorgung, so die DDG. Die Erkrankung betreffe rund 9,4 Millionen Menschen in Deutschland und gehöre zu den kostenintensivsten chronischen Erkrankungen, auch, weil strukturierte und effiziente Versorgungsstrukturen fehlten.
Das bestehende DMP habe zwar Strukturen geschaffen, allerdings sei es durch die analogen Prozesse, sektoralen Brüche und fehlende Datennutzung nicht mehr geeignet, um die Versorgung vor dem Hintergrund wachsender Herausforderungen im Gesundheitssystem zu sichern, hieß es von der Fachgesellschaft.
Der Vizepräsident der DDG, Tobias Wiesner, berichtete beispielhaft von Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt: „Sie müssen häufig ihre Therapie zum x-ten Male erklären, weil ihre Daten in den Dokumentationssystemen unvollständig sind und alles fängt immer wieder bei null an.“ Wenn Daten nur bruchstückhaft oder gar nicht weitergegeben würden, sei dies hinderlich für folgende Therapieentscheidungen, so Wiesner.
Die Lösung für diese strukturellen Probleme sieht die DDG in einem eigenständigen dDMP. „Die DDG-Forderungen sind kein digitales Add-on eines bestehenden DMP, sondern eine Voraussetzung dafür, dass Versorgung im Alltag wieder funktioniert“, betonte Wiesner, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft „Diabetes und Technologie“ der DDG ist. Ein solches Programm müsse rechtlich unabhängig sein, digitale Prozesse vollständig etablieren und analoge Strukturen ersetzen.
Die Politik muss der Fachgesellschaft zufolge verbindliche bundesweite digitale Standards, eine gesicherte Finanzierung und transsektorale Strukturen schaffen. Dies sei vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, demografischen Wandels und steigender Morbidität wichtig. Einheitliche Standards würden Transparenz schaffen und Datenverluste vermeiden.
Die DDG schlägt im Impulspapier vor, standardisierte Datensätze einzuführen. Ziel ist es, Daten sektorenübergreifend in der elektronischen Patientenakte (ePA) verfügbar und automatisiert auswertbar zu machen. Damit ließen sich Susanne Reger-Tan, Vorsitzende der DDG-Kommission Digitalisierung, zufolge auch Risiken früher erkennen. „Wir könnten Versorgung gezielter steuern: stabil eingestellte Patientinnen und Patienten entlasten und Menschen mit erhöhtem Risiko für Stoffwechselentgleisungen schneller unterstützen.“
Um Brüche und den oftmals fehlenden Datenaustausch zwischen ambulantem und stationärem Bereich zu verhindern, schlägt die DDG eine verpflichtende Einbindung der Kliniken in das dDMP vor. Behandlungsdaten sollen demnach strukturiert in die ePA einfließen und für die Weiterbehandlung zur Verfügung stehen.
Außerdem brauche es dezidierte DMP-Managementsysteme, die Daten aus verschiedenen Systemen zusammenführten und auswerteten. Zertifizierte Algorithmen und klinische Entscheidungsunterstützungen müssten zudem zum festen Bestandteil eines solchen dDMP werden, um der täglichen Datenmenge gerecht zu werden.
„Ohne klare gesetzliche Vorgaben droht die Digitalisierung bestehende Probleme zu verstärken, anstatt sie zu vereinfachen. Ein konsequent umgesetztes digitales DMP kann dagegen Bürokratie abbauen und die Versorgungsqualität messbar verbessern“, unterstrich Reger-Tan.
Das dDMP sei keine optionale Digitalmaßnahme, sondern eine strukturelle Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit der Diabetesversorgung, heißt es im Impulspapier. Mit einer konsequenten Umsetzung könne Bürokratie abgebaut, Ressourcen geschont und die Versorgungsqualität für die Patienten verbessert werden.
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