Vermischtes

Diagnostikindustrie warnt vor schlechter wirtschaftlicher Lage

  • Dienstag, 28. April 2026
Labor Blutanalyse
/Philippe, stock.adobe.com

Berlin – Um die angespannte wirtschaftliche Lage der Diagnostikindustrie zu entschärfen, werden Strukturreformen und Bürokratieabbau benötigt. Darauf pochte der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) heute bei einer Pressekonferenz.

„Wir sehen keinen Optimismus mehr in der Branche, sondern eher ein Abwarten der Zukunftsperspektive“, erklärte der VDGH-Vorsitzende Peter Schüßler. Die Stimmung unter den befragten Mitgliedsunternehmen sei schlecht, die wirtschaftliche Entwicklung verhalten.

So erreichte der deutsche Markt für In-vitro-Diagnostik (IVD) im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,38 Milliarden Euro. Davon sei der Großteil (82 Prozent) auf Reagenzien und Testkits zurückzuführen. 18 Prozent seien mit Geräten und Instrumenten erwirtschaftet worden.

Dies entspreche einem Rückgang von 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, erklärte Schüßler. Wenn man aus diesen Zahlen die Diagnostik zu Corona und Diabetes-Selbstmanagement-Kits herausrechnet, sei allerdings ein Wachstum von 0,7 Prozent zu verzeichnen. Der Bereich „Life Science Research“ (LSR) verzeichnete mit einem Umsatz von 3,81 Milliarden Euro einen leichten Rückgang um 0,5 Prozent, so Schüßler weiter.

Parallel dazu richteten derzeit viele Diagnostikunternehmen ihren Blick verstärkt auf internationale Märkte, dort würden Veränderungen dynamischer und innovationsfreundlicher wahrgenommen als hierzulande.

Positiv hervorzuheben sei hingegen, dass es in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern keine Probleme durch verzögerte Zahlungen gebe und die Qualifikation der Mitarbeitenden hoch sei, sagte Schüßler. Auch das Thema Fachkräftemangel sei zwar nach wie vor herausfordernd, allerdings nicht mehr so drastisch wie noch vor zwei Jahren.  

Zu spüren bekomme die Laborindustrie die Absenkung der Vergütung von Laboruntersuchungen in der vertragsärztlichen Versorgung seit dem vergangenen Jahr. Weitere Absenkungen für die Hilfsmittelversorgung, wie sie mit dem geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vorgesehen sei, seien deshalb kritisch zu bewerten, erklärte der Verband weiter. Auch die geplante Budgetierung von Früherkennung, Mutterschaftsvorsorge und Impfungen nannte der VDGH irritierend.

Diese Punkte bringe der Verband auch in dem aktuell laufenden Pharma- und Medizintechnikdialog der Bundesregierung ein. Im Herbst 2026 sollen die Ergebnisse des Dialogs in konkrete Maßnahmen fließen, ergänzte der VDGH-Geschäftsführer Martin Walger. Dieser Dialog sollte aber keine „Eintagsfliege“ sein, sondern eine Verstetigung auch über das Jahr 2026 hinaus sei wünschenswert, so Walger.

Bereits heute sei erkennbar, dass Bürokratieabbau und Deregulierung zentrale Handlungsfelder darstellen. Damit seien bessere Rahmenbedingungen der europäischen Union (EU) gefordert. „Der VDGH sieht in dem Vorschlag der EU-Kommission zur Überarbeitung der europäischen IVD-Verordnung viele gute Ansätze“, sagte der Vorsitzende Schüßler. „Bürokratieabbau ist möglich, ohne die Patientensicherheit zu gefährden.“ Nun sei entscheidend, dass der Rat und das Europaparlament rasch in die Beratungen eintreten und zu Entscheidungen kommen würden.

Auch das Thema Künstliche Intelligenz (KI) wird im Rahmen des Dialogs diskutiert. „In fünf Jahren wird die Mehrheit der Instrumente KI verwenden“, schätzt Walger. So müsse es etwa ein entsprechend neues Vergütungsmodell geben, das KI-basierte Diagnostik künftig berücksichtige, lautete eine weitere Forderung.

cmk

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