Medizin

Dieselabgase schädigen den Herzmuskel – Bildungsmangel erhöht das Risiko

  • Montag, 29. Mai 2017
/kichigin19, stock.adobe.com
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London – Feinstaub, der vor allem von Dieselfahrzeugen ausgestoßen wird, kann auf Dauer den Herzmuskel schwächen. Am stärksten gefährdet sind einer Datenanalyse der UK Biobank zufolge Personen mit einem niedrigen Bildungsniveau. Die Ergebnisse der epidemiologischen Studie wurden auf der Fachtagung EuroCMR in Prag vorgestellt.

Durch die Kopplung an ein EKG können moderne Kernspintomographen verwacklungs­freie Bilder des Herzmuskels aufnehmen. Die Technik der kardialen Magnetresonanz­tomographie (CMR) wird zunehmend in der Diagnostik von Herzkrankheiten eingesetzt. Sie eignet sich jedoch auch für epidemiologische Studien, da die Untersuchung nicht mit einem Strahlenrisiko verbunden und für die Patienten schmerzlos ist.

Die UK Bio­bank, die Daten und Gewebeproben von einer halben Million Briten sammelt, hat in einer Gruppe von 4.255 Teilnehmern auch ein CMR angefertigt. Dabei wurde das linksventrikuläre Volumen (also die Herzgröße) und die linksventrikuläre Ejektions­fraktion (also die Pumpleistung) bestimmt. Beide Parameter können zur Diagnose der Herzinsuffizienz genutzt werden: Bei einer beginnenden Herzschwäche kommt es zu einer Zunahme des Herzvolumens und einer Abnahme der Pumpleistung.

Ein Team um Nay Aung, von der Queen Mary University in London hat die Ergebnisse mit der Feinstaub-Exposition (PM2,5) der Teilnehmer an ihrem Wohnort in Beziehung gesetzt und eine eindeutige Abhängigkeit gefunden: Mit jedem Anstieg der PM2,5-Exposition um 5µg/m3 stieg das linksventrikuläre Volumen um 4 bis 8 Prozent an und die linksventrikuläre Ejektionsfraktion sank um 2 Prozent.

Aung hat die Daten auch nach möglichen Begleitfaktoren durchsucht. Dabei fiel auf, dass Menschen mit einem höheren Bildungsniveau weniger stark durch Feinstaub in der Außenluft belastet zu sein schienen. Dies könnte, so Aung, unterschiedliche Gründe haben: Personen mit höherer Bildung könnten bei gleicher Belastung am Wohnort auf der Arbeit weniger durch Luftschadstoffe belastet sein als einfache Arbeiter mit einem geringeren Ausbildungsniveau. Gebildete Menschen könnten auch gesundheitsbewuss­ter leben und in ihrer Freizeit Tätigkeiten meiden, die sie vermehrt mit Luftschad­stoffen belasten. Auch ein besserer Zugang zur Gesundheitsversorgung könnte laut Aung eine Rolle spielen.

Die schädliche Wirkung von Feinstaub auf das Herz ist ausreichend dokumentiert. Feinstaub dringt über die Atemwege in den Kreislauf ein. Belegt ist laut Aung eine vermehrte systemische Entzündung, eine Verengung von Blutgefäßen und ein Anstieg des Blutdrucks. Die Kombination dieser Faktoren steigert die Belastung des Herz­muskels, was auf lange Sicht die Herzleistung mindert.

Schon eine relativ geringe Exposition könnte auf Dauer schädlich sein. Die durch­schnitt­liche Feinstaubbelastung der Studienteilnehmer lag nur bei 10 µg/m3 und damit weit unterhalb des europäischen Grenzwertes von 25 µg/m3. Aung schließt daraus, dass die Bevölkerung bereits dann gefährdet ist, wenn die Behörden noch keinen Alarm melden. Er rät der Bevölkerung, stark belastete Orte zu meiden. Rad­fahrer und Fußgänger sollten weniger stark befahrene Straßen auf dem Weg zur Arbeit benutzen.

rme

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