Politik

Diskriminierung geht mit schlechterer Gesundheit einher

  • Montag, 16. März 2026
/Vikkymir Store, stock.adobe.com
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Berlin – Die Entwicklung einer umfassenden Handlungsstrategie zur Verringerung gesundheitlicher Ungleichheit und zur Förderung gesundheitlicher Chancengerechtigkeit sollte dringend auf der politischen Agenda stehen. Dafür plädierte heute Jens Hoebel, Leiter des Fachgebiets Soziale Determinanten der Gesundheit im Robert Koch-Institut (RKI), beim Kongress Armut und Gesundheit in Berlin.

Neue Daten des RKI-Panels „Gesundheit in Deutschland“ zeigen, dass Diskriminierung in Deutschland immer noch zum Alltag gehört und vor allem von Menschen mit niedrigem Einkommen und ohne Erwerbsarbeit, trans und genderdiversen Personen, jungen Erwachsenen und Menschen mit Migrationsgeschichte erlebt wird.

Demnach gaben mehr als zwölf Prozent der Befragten an, oft oder sehr oft Diskriminierungserfahrungen zu machen. Mehr als zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung berichtete, selten oder manchmal Diskriminierung im Alltag zu erfahren, rund 19 Prozent nie. Sich nicht ernstgenommen zu fühlen oder mit weniger Höflichkeit oder Respekt behandelt zu werden, wurden dabei am häufigsten angegeben.

Mehr als die Hälfte nannte einen einzelnen Grund für die erfahrene Diskriminierung, mehr als 24 Prozent berichten von zwei Gründen, bei mehr als 22 Prozent sind es demnach drei oder mehr Gründe. Die häufigsten Merkmalskombinationen bei Mehrfachdiskriminierung sind demzufolge Alter und Geschlecht, gefolgt von den Faktoren Alter und sozioökonomische Lage sowie sozioökonomische Lage und Herkunft.

Das Erleben von Alltagsdiskriminierung geht dem RKI zufolge mit einer schlechteren allgemeinen und psychischen Gesundheit einher. „Mit zunehmender Häufigkeit und Anzahl wahrgenommener Diskriminierungsgründe steigt die Wahrscheinlichkeit für gesundheitliche Probleme deutlich an“, erklärte Hoebel bei der Vorstellung der Ergebnisse. Gesundheitliche Probleme lägen bei Betroffenen teils doppelt so häufig vor wie bei Personen ohne Diskriminierungserfahrungen.

Während rund 30 Prozent der Befragten, die angaben, nie Diskriminierung zu erfahren, von einer mittelmäßigen bis schlechten Gesundheit berichteten, waren es unter denjenigen, die selten oder manchmal diese Erfahrung machen rund 35 Prozent. Bei den häufig oder sehr häufig von Diskriminierung Betroffenen gaben dies rund 47 Prozent an. Auch bei der Einschätzung der psychischen Gesundheit sind ähnliche Ergebnisse erhoben worden (56 Prozent, 66 Prozent und 78 Prozent).

„Diese Ergebnisse unterstreichen, dass der Abbau von Diskriminierung ein zentrales Handlungsfeld zur Förderung gesundheitlicher Chancengerechtigkeit darstellt – wie auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont“, sagte Hoebel.

Das RKI schlägt in seinem Beitrag vor, eine umfassende Handlungsstrategie zu entwickeln, um Diskriminierung in Deutschland langfristig zu verringern. Weitere Vorschläge sind gesamtgesellschaftliche Antidiskriminierungsmaßnahmen, die Stärkung von Beratungs- und Unterstützungsstrukturen für Betroffene sowie rechtliche Reformen und strafrechtliche Diskussionen.

In der Forschung brauche es zudem Längsschnittstudien, um die langfristigen gesundheitlichen Folgen von Diskriminierung zu untersuchen. Neben Befragungen sollten demzufolge auch Untersuchungsdaten mit biologischen Markern zur Messung physiologischer Auswirkungen von Diskriminierung erhoben werden.

Ziel des RKI-Panels war es, einen Überblick über die Verbreitung von Diskriminierungserfahrungen im Alltag von Erwachsenen in Deutschland entlang demografischer, sozioökonomischer und migrationsbezogener Merkmale zu erstellen. 2024 wurden dazu insgesamt mehr als 41.000 Menschen über 18 Jahren befragt. Die RKI-Ergebnisse sind heute im Journal of Health Monitoring, der Onlinezeitschrift der Gesundheitsberichterstattung des Bundes, erschienen.

In mehr als 100 Veranstaltungen diskutieren Fachleute beim Kongress Armut und Gesundheit in Berlin heute und morgen darüber, welchen Einfluss der Sozialstatus auf die Gesundheit hat und wie sozial bedingte Ungleichheiten bei den Gesundheitschancen nachhaltig verringert werden können.

nfs

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