DMP Chronischer Rückenschmerz: Körperlicher Aktivität soll größere Rolle zukommen

Berlin – Das strukturierte Behandlungsprogramm (Disease-Management-Programm, DMP) für Versicherte mit chronischem Rückenschmerz wurde aktualisiert. Die wenigen Änderungen an der seit 2019 geltenden Anforderungen-Richtlinie hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) gestern beschlossen.
Unter anderem soll körperlichen Aktivitäten zur Verringerung von Schmerzen und Verbesserung der Funktionsfähigkeit eine größere Rolle zukommen und Angst-Vermeidungs-Verhalten im ärztlichen Aufklärungsgespräch entgegengewirkt werden.
Die Teilnahme am DMP ist nun explizit erst ab Vollendung des 18. Lebensjahres möglich. Ausdrücklich wird außerdem darauf hingewiesen, dass eine medikamentöse Therapie nicht als Dauertherapie empfohlen werden sollte.
Diskutiert wurde in der G-BA-Sitzung auch über eine Änderung der Anlage 2 zur indikationsübergreifenden Dokumentation (ausgenommen Brustkrebs) in der DMP-A-RL. Dabei ging es um die Dokumentation des Blutdrucks von Personen, die im DMP Chronischer Rückenschmerz eingeschrieben sind. Beschlossen wurde, dass der Dokumentationsparameter künftig nur optional auszufüllen ist.
Abgeschlossene Verträge zwischen Krankenkassen, Arztpraxen und Krankenhäusern gibt es für das DMP allerdings noch nicht und damit bislang auch keine Programme, in die sich Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen einschreiben könnten.
„Der G-BA hat bislang DMP-Anforderungen zu zwölf chronischen Erkrankungen beschlossen. Acht sind bereits sehr gut etabliert; circa 7,9 Millionen Versicherte werden hier im Umgang mit ihrer chronischen Erkrankung geschult und leitliniengerecht betreut“, betonte Karin Maag, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzende des Unterausschusses DMP. „Bei fünf Programmen warten wir aber noch auf die Umsetzung, so auch für chronischen Rückenschmerz. Ich hoffe sehr, dass sich das noch in diesem Jahr ändern wird.“
DMP würden dabei helfen, eine Fehlversorgung zu vermeiden und die Gesamtbehandlungskosten zu senken, so Maag. Die Teilnahme am Programm könne das Risiko für Komplikationen, unnötige Facharzttermine und Krankenhausaufenthalte verringern.
Das DMP Chronischer Rückenschmerz richtet sich an Menschen, die länger als zwölf Wochen an andauernden Schmerzen im Kreuzbereich des Rückens leiden, deutlich in ihrer Aktivität eingeschränkt sind und einen fortbestehenden Therapiebedarf aufweisen.
Nicht einschreiben dürfen sich hingegen Personen mit spezifischen Ursachen für den Kreuzschmerz, wie beispielsweise Wirbelkörperfrakturen und rheumatische Erkrankungen. Eine Behandlung der ursächlichen Erkrankung steht dem G-BA zufolge im Vordergrund.
Im Arzt-Patienten-Gespräch werden die individuell benötigten therapeutischen Maßnahmen geplant – Schmerzintensität und Aktivitätseinschränkung der Patienten sowie die im Behandlungsverlauf erzielten Erfolge sind zu berücksichtigen.
Es gilt, über die entscheidende Rolle körperlicher Aktivität aufzuklären und zu einem körperlichen Training zu motivieren. Die DMP-Anforderungen enthalten zudem grundsätzliche und wirkstoffbezogene Empfehlungen zur Schmerzmedikation.
Grundlage für die jetzigen Anpassungen im DMP Chronischer Rückenschmerz ist eine Auswertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Das IQWiG hat im Auftrag des G-BA 425 Empfehlungen aus elf Behandlungsleitlinien bewertet. Der Beschluss des G-BA wird nun dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zur rechtlichen Prüfung vorgelegt.
Deutsches Ärzteblatt bei Google bevorzugen
Wenn Sie Deutsches Ärzteblatt als bevorzugte Quelle festlegen, können Inhalte von uns in Ihren Google-Ergebnissen sichtbarer erscheinen.
Jetzt bei Google bevorzugenDiskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: