Politik

Drogenbeauftragter Streeck für Schulfach „Gesundheitskompetenz“

  • Mittwoch, 20. Mai 2026
/ricka_kinamoto, stock.adobe.com
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Berlin – Ein eigenes Schulfach für mehr Gesundheitswissen wünscht sich der Suchtbeauftragte der Bundesregierung. „Ich fände ein Schulfach ‚Gesundheitskompetenz‘, vielleicht zusammen mit ‚Medienkompetenz‘, einen wirklich wichtigen Schritt“, sagte Hendrik Streeck (CDU) der Katholischen Nachrichtenagentur.

Zugleich fügte er hinzu: „Aber ich weiß, wie schwer es ist, in einem föderalen Staat so etwas in die Lehrpläne zu bekommen. Nochmals mehr in Zeiten knapper Kassen.“

Für den CDU-Politiker und Virologen muss in der Gesundheitspolitik viel stärker das Thema Vorbeugung in den Vordergrund rücken. „Prävention ist politisch unsexy, weil man die Früchte nicht sofort ernten kann. Aber die Argumente dafür sehen wir überall“, betonte Streeck.

Bestes Beispiel sei die Zahngesundheit. „Wir haben viel weniger Karies bei Kindern und Jugendlichen, seit wir mehr auf Mundhygiene und Prophylaxe achten“, betonte der Mediziner. Das sei ein wahnsinniger Erfolg und sollte auch andere Politiker zum Durchhalten beim Thema Prävention animieren.

Die Cannabis-Teillegalisierung hat für den Streeck den Jugendschutz erheblich geschwächt. „Jugendliche, die mit Cannabis auffallen, erreichen heute seltener die Frühinterventionsprogramme der Suchthilfe. Dabei sind genau diese Angebote entscheidend, um riskanten Konsum früh zu erkennen und eine spätere Abhängigkeit möglichst zu verhindern“, sagte Streeck.

Hinzu komme, dass die Grenzen zwischen legalem und illegalem Konsum zunehmend schwerer sichtbar seien und damit Orientierung, Kontrolle und Prävention verloren gingen. So gebe es einen massiven Missbrauch bei medizinischem Cannabis.

„Deshalb brauchen wir wieder mehr Klarheit. Medizinisches Cannabis muss medizinisch bleiben. Konsumcannabis muss als das behandelt werden, was es ist, nämlich ein berauschendes Produkt mit Risiken, besonders für junge Menschen“, betonte Streeck.

Alarmierend sei, dass immer mehr junge Menschen mit einer großen Risikobereitschaft und einem gefährlichen Mischkonsum unterwegs seien und auch mehr Cannabis konsumierten. „Wir haben mit der Digitalisierung ein bisschen die Übersicht verloren, wo Drogen angeboten werden und wo Süchte entstehen“, räumte Streeck ein. Helfen solle das Frühwarn- und Monitoringsystem für illegale Drogen wie synthetische Opioide und Kokain.

Die viel gepriesenen Abnehmspritzen sind für Streeck kein Allheilmittel. „Es kann nicht unser Ziel sein, dass immer mehr Menschen dauerhaft auf Medikamente angewiesen sind, weil wir es vorher nicht schaffen, gesunde Lebensbedingungen zu ermöglichen“, sagte Streeck.

Für schwer adipöse – also stark fettleibige Menschen – könnten Abnehmspritzen ein großer Fortschritt sein und helfen, Gewicht zu reduzieren und Folgeerkrankungen zu verhindern. „Aber sie werden unser Problem nicht allein lösen", so Streeck weiter.

Erstens seien diese Medikamente teuer. Zweitens behandelten sie nicht die Ursachen, die Übergewicht in der deutschen Gesellschaft so häufig machten. „Wir müssen viel stärker an Ernährung, Bewegung, Alltagsstrukturen und Prävention heran“, forderte der Mediziner. Diese Medikamente können folglich ein wichtiger Baustein sein. Aber die eigentliche Aufgabe bleibe, Adipositas früher zu verhindern, statt sie später teuer zu behandeln.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hatte sich Anfang des Jahres dafür ausgesprochen, bei Fettleibigkeit neue Therapieansätze, etwa die Abnehmspritze, für alle Kassenpatienten leichter zugänglich zu machen. Derzeit übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen diese Medikamente nur unter sehr speziellen Voraussetzungen.

In der Frage von zusätzlichen Einnahmen spricht sich der Sucht- und Drogenbeauftragte für eine Zweckbindung der Mehreinnahmen bei der Tabaksteuer für das Gesundheitswesen aus. „Die Tabaksteuer darf nicht zur stillen Haushaltssanierung werden“, sagte Streeck der Bild. Tabak verursache enorme Kosten im Gesundheitswesen, weshalb die Einnahmen aus der Tabaksteuer auch dorthin gehörten, so der CDU-Bundestagsabgeordnete.

Der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Fritz Güntzler (CDU), hatte vergangene Woche die vorgezogene Erhöhung der Tabaksteuer infrage gestellt. Diese war ursprünglich zur Gegenfinanzierung einer Entlastungsprämie für Arbeitnehmer geplant, die aber nicht zustande kam. Ein Sprecher von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) kündigte hingegen an, an der Erhöhung festzuhalten und sprach von einem Beitrag zur Haushaltskonsolidierung.

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christos Pantazis, sagte dazu der Bild: „Tabak-, Alkohol- und Zuckerabgaben dienen nicht nur der Haushaltskonsolidierung, sondern haben vor allem eine wichtige präventive Lenkungswirkung.“ Er sprach sich dafür aus, einen Teil der Einnahmen aus der Tabaksteuer zur Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherung zu nutzen.

Streeck hatte bereits im Januar eine höhere Tabaksteuer gefordert, um so das Gesundheitssystem zu entlasten.

kna/dpa/afp

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