Ausland

Ebola: Afrikanische Behörde dringt auf baldigen Studienstart

  • Dienstag, 30. Juni 2026
Medizinisches Personal wird im Einsatz gegen die Ebolaepidemie desinfiziert. /picture alliance, AP, Moses Sawasawa
Medizinisches Personal wird im Einsatz gegen die Ebolaepidemie desinfiziert. /picture alliance, AP, Moses Sawasawa

Kinshasa – Der derzeitige Ebolaausbruch in der Demokratischen Republik (DR) Kongo soll in Kürze zum Erproben möglicher Medikamente und Impfstoffe gegen die vorliegende Virusspezies genutzt werden können. Die wichtige Forschung sei startbereit, was ein wichtiger Meilenstein sei – dringend müsse aber noch eine Finanzierungslücke geschlossen werden, teilte die Gesundheitsbehörde Africa CDC heute mit.

Klinische Studien müssten noch in dieser Woche beginnen, denn jeder Tag Verzögerung koste Menschenleben, betonte Jean Kaseya, Generaldirektor des Africa CDC. Das Zeitfenster, das man bis zu einer Ausweitung des Ausbruch noch habe, drohe sich in Kürze zu schließen.

Während die Finanzierung für Impfstofftests stehe, fehle vor allem für Medikamententests noch Geld, hieß es. Man habe an Regierungen, multilaterale Entwicklungsbanken, philanthropische Organisationen, den Privatsektor und Partner weltweit appelliert, die noch fehlenden 16 Millionen US-Dollar innerhalb weniger Tage bereitzustellen. Weitere zwei bis drei Millionen US-Dollar würden gebraucht, um das Nachverfolgen von Kontaktpersonen von Infizierten so zu stärken, dass die Studie durchgeführt werden kann.

Seit einigen Wochen ist bekannt, dass der Ausbruch durch die seltenere Ebola-Virusspezies Bundibugyo (BDBV) verursacht wird, für die es bislang keine spezifischen Schnelltests, Impfstoffe und Medikamente gibt. Mehrere Partner arbeiten daran, dies auch in Hinblick auf künftige Ausbrüche anzugehen, darunter die WHO und das Africa CDC, aber auch Pharmafirmen und Organisationen wie die Impfstoffinitiative CEPI.

WHO: Studie zu Remdesivir und MBP134 für erste Monate ausreichend finanziert

Nachdem die WHO bereits vor einigen Tagen den Start einer Studie mit dem Virostatikum Remdesivir und dem Antikörperpräparat MBP134 für diese Woche angekündigt hatte, spricht das Africa CDC nun von weiteren Studien: Kontaktpersonen von Patienten sollen demnach eine Postexpositionsprophylaxe mit Obeldesivir erhalten.

Beim Thema Impfstoffe soll ein möglicher Kreuzschutz eines vorhandenen Ebola-Impfstoffs gegen BDBV untersucht werden, hieß es. Darüber hinaus werde die Entwicklung und Herstellung von BDBV-spezfischen Vakzinen beschleunigt.

Auf Anfrage erklärte ein WHO-Sprecher, dass die Studie zu Remdesivir und MBP134 mindestens für die ersten Monate adäquat finanziert sei. Sollte sie länger laufen, erwarte man, dass die dafür nötigen Mittel aufgetrieben werden können.

Die Sorge über den Ausbruch ist zuletzt gewachsen. Wenn er nicht rasch gestoppt werde, drohe er größer zu werden als jener von 2014 in Westafrika, hatte Kaseya kürzlich in einem Interview der Nachrichtenagentur AP gewarnt. Damals wurden 11.000 Tote verzeichnet, es ist der bisher größte bekannte Ebolaausbruch.

Der CDC-Africa-Chef klagte außerdem über die Untätigkeit von nicht betroffenen reichen Nationen. Beträfe der Ausbruch Europa oder die USA, so gäbe es längst Impfstoffe und Medikamente, sagte er. Für Afrika sei dies auch ein Weckruf, dass man sich um sich selbst kümmern müsse. BDBV ist seit knapp 20 Jahren bekannt, trat aber seltener auf als andere Spezies von Ebola-Viren.

Ausbruch könnte sich auf Südsudan ausweiten

Eine weitere geografische Ausbreitung des Ausbruchs wird befürchtet. Neben dem bereits betroffenen Uganda sieht eine stochastischen Modellierungsstudie von Forschenden des WHO-Regionalbüros Afrika das größte Risiko für den Südsudan (Lancet Infect Dis. 2026; DOI: 10.1016/S1473-3099(26)00320-8).

Die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus dort eingeschleppt wird, liegt bei knapp 70 Prozent, wie das Team berichtet. Infektionskontrolle und -prävention und eine verstärkte Überwachung an Grenzen sollten demnach dort priorisiert werden.

Für Burundi und Ruanda wird hingegen nur ein geringes Risiko gesehen. Der Ausbruch ging von der Provinz Ituri in der DR Kongo aus, wo viele Menschen unter anderem durch Arbeit in Minen und damit verbundenen Handel sehr mobil sind. Hinzu kommt eine sehr schwierige Sicherheitslage.

In der Arbeit wurden verschiedene mögliche Szenarien für den Verlauf des Ausbruchs bis September modelliert. Inzwischen geht das Team davon aus, dass sich das Geschehen im Rahmen des mittleren der drei modellierten Szenarien oder unterhalb davon bewegt. Zunächst waren die Autoren von einem schlimmeren Verlauf ausgegangen.

Allerdings dürfte die anfängliche Eskalation der gemeldeten Fälle der Studie zufolge vor allem auf relativ lange unbemerkt gebliebene Infektionsketten zurückgehen: Der Ausbruch war Mitte Mai entdeckt worden, der Indexfall wird inzwischen schon Anfang April vermutet. Eine relativ milde anfängliche Symptomatik sowie die seltene Virusvariante, aber auch die Kürzung von Hilfsgeldern, allen voran aus den USA, sind für die späte Reaktion verantwortlich gemacht worden.

Erneut Kritik an Kurs der USA

In einem Kommentar in The Lancet kritisieren vier US-Expertinnen und Experten den Umgang der US-Regierung mit dem Ausbruch, der einen deutlichen Kurswechsel darstelle (Lancet 2026; DOI: 10.1016/S0140-6736(26)01291-2). Sie fordern die Regierung auf, beim Thema Globale Gesundheit wieder zu einer Strategie zurückzukehren, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, Gegenseitigkeit und Partnerschaft basiert.

Man erreiche Gesundheitssicherheit nicht durch Isolation, so ein Fazit der Gruppe. Infektionskrankheiten hielten sich nicht an Grenzen. Gefordert wird nun unter anderem der Wiederbeitritt der USA zur WHO. „Der Schutz der Bevölkerung erfordert eine nachhaltige internationale Zusammenarbeit, Unterstützung der Einsatzkräfte vor Ort, Vertrauen zwischen Beteiligten und betroffenen Gemeinden sowie kontinuierliche Investitionen in Prävention, Vorsorge und Forschung.“

Die Entscheidungen der USA beträfen nicht nur den Verlauf des aktuellen Ausbruchs, sondern auch die Zukunft der Kooperation im Bereich der globalen Gesundheit, schreibt die Gruppe. Demnach handelt es sich beim aktuellen Ausbruchs bereits um einen der größten je verzeichneten eines viralen hämorrhagischen Fiebers.

Den Kommentar verfassten zwei ehemalige hochrangige CDC-Mitarbeiter sowie zwei ehemalige medizinische Einsatzkräfte in früheren Ebolaausbrüchen. Einer von ihnen, der Arzt Craig Spencer, war 2014 in Guinea selbst erkrankt und daraufhin zur Behandlung in die USA zurückgebracht worden. Aktuell wollen die USA erkrankte Staatsbürger, die vor Ort im Ausbruchsgebiet helfen, im Krankheitsfall nicht zurückholen. Jüngst wurde ein US-amerikanischer Arzt, der an Ebolafieber litt, erfolgreich an der Charité in Berlin behandelt.

ggr

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