Ebola-Bundibugyo: Suche nach Behandlungsoptionen und Impfstoffen

Kinshasa/Kampala/Genf – Der Ausbruch des Bundibugyo-Ebolavirus in Teilen Afrikas ist den ersten Genom-Sequenzierungen zufolge auf ein erneutes Spill-Over-Ereignis zurückzuführen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Virustatikum Remdesivir und den Antikörpercocktail MBP134 für erste klinische Studien ausgewählt. Eine Entscheidung über Impfstoffe soll in Kürze fallen.
Am vergangenen Freitag hatte die WHO den aktuellen Ebola-Ausbruch als Gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite (PHEIC) eingestuft. Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union (Afrika CDC) rief gestern Abend wegen der Epidemie für den gesamten afrikanischen Kontinent den Notstand aus.
Das kongolesische Gesundheitsministerium meldete bereits 513 Verdachtsfälle und 131 vermutete Todesfälle. „Ich glaube nicht, dass diese Epidemie in zwei Monaten vorbei sein wird“, sagte die WHO-Repräsentantin in der Demokratischen Republik Kongo, Anne Ancia.
Das Bundibugyo-Virus (BDBV) ist eines von fünf Ebolaviren. Der erste bekannt gewordene BDBV-Ausbruch begann im August 2007 in Uganda im Distrikt Bundibugyo, nach dem das Virus benannt wurde. Der Ausbruch wurde im Februar 2008 für beendet erklärt. Damals wurden 100 wahrscheinliche oder bestätigte Bundibugyo-Virus-Erkrankungen (BVD) dokumentiert, von denen 40 Menschen gestorben sein sollen.
Anfang August 2012 tauchte BDBV 400 Kilometer nordwestlich des Distrikts Bundibugyo in der Provinz Orientale in der Demokratischen Republik Kongo wieder auf. Damals starben 13 von 38 Infizierten (34 Prozent).
Infektionen mit BDBV scheinen seltener zum Tod zu führen als bei den anderen Ebola-Viren. Die Erkrankung beginnt mit grippeähnlichen Prodromalsymptomen (Arthralgie, Husten, Fieber, Kopfschmerzen, Myalgie und Übelkeit), manchmal gefolgt von Durchfall und Erbrechen. Wenig später kommt es zu einem makulopapulösen Ausschlag, Brustschmerzen und hämorrhagischen Manifestationen wie Teerstuhl und zu Blutungen aus Schleimhäuten und Einstichstellen.
Der mildere Verlauf mag erklären, warum erst relativ spät Ebola-Viren als Ursache vermutet wurden. Der erste bekannte Fall der aktuellen Epidemie war ein Krankenpfleger, der am 24. April erkrankte und drei Tage später in Bunia, der Hauptstadt der Provinz Ituri, starb. Aufgrund des Berufes wird vermutet, dass er nicht der Index-Fall war. Wann und wie die Epidemie begann, ist deshalb nicht bekannt.
Inzwischen wurden die ersten Sequenzierungsergebnisse von Virus-Genomen publiziert. Forschende am Institut National de Recherche Biomédicale in Kinshasa haben die Viren in mehreren Proben nachgewiesen.
Am Central Public Health Laboratory in Kampala/Uganda wurde in weniger als 16 Stunden das gesamte Genom der aktuellen BDBV-Variante in drei Proben komplett sequenziert.
Die Unterschiede zu den Sequenzen aus den beiden früheren Epidemien sind so groß, dass die afrikanischen Forschenden eine unerkannte endemische Ausbreitung ausschließen und von einem Spill-Over-Ereignis ausgehen, also von der Übertragung von einer anderen Spezies auf den Menschen.
Remdesivir als mögliches Therapeutikum
Eine spezifische Behandlung gibt es derzeit nicht. Die WHO hat auf einer nächtlichen Tagung am vergangenen Freitag beschlossen, zwei bereits vorhandene Medikamente in einer Studie einzusetzen.
Das erste Mittel ist Remdesivir, das von Gilead Sciences aus Foster City/Kalifornien zur Behandlung von Ebolafieber und Marburgfieber entwickelt wurde. Remdesivir hemmt die RNA-Polymerase und kommt deshalb auch bei anderen RNA-Viren einschließlich SARS-CoV-2 infrage.
Während eines Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo (November 2018 bis August 2019) wurde Remdesivir auch bei Patientinnen und Patienten mit Ebola eingesetzt. Dort erzielte es allerdings eine schlechtere Wirkung als zwei Antikörper-Präparate (DOI: 10.1056/NEJMoa1910993).
Ein Team um Thomas Geisbert von der University of Texas Medical Branch in Galveston Texas, konnte jedoch später in In-vitro-Tests zeigen, dass Remdesivir BDBV hemmt (DOI: 10.1128/JVI.00643-21).
Die zweite Option, die eingesetzt werden soll, ist MBP134, eine Kombination aus zwei Antikörpern des Herstellers Mapp Biopharmaceutical aus San Diego. Sie hat in einer präklinischen Studie Frettchen und nicht menschliche Primaten vor einem schweren Verlauf einer Infektion mit verschiedenen Ebola-Viren, darunter Bundibugyo, geschützt (DOI: 10.1016/j.chom.2018.12.005).
Der Einsatz von Remdesivir und MBP134 soll in einer klinischen Studie nach dem Partners-Protokoll erfolgen, das an der Universität Oxford für eine Notsituation wie den aktuellen Ausbruch entwickelt wurde.
Impfstoff gegen Bundibugyo-Variante bislang nur in Tierexperimenten geprüft
Über den Einsatz eines Impfstoffs will die WHO am heutigen Dienstag entscheiden. Allerdings sind die Möglichkeiten rar. „Einen zugelassenen Impfstoff gibt es nur für den Zaire-Stamm. Die Sequenz der Viren ist aber einfach zu unterschiedlich, sodass es nicht zu einer vollständigen Kreuzprotektion kommt", sagte Stephan Becker, Leiter des Instituts für Virologie, Philipps-Universität Marburg.
Allerdings hat das Team um Geisbert einen Impfstoffkandidaten entwickelt, der das Gen für ein Oberflächenprotein des Bundibugyo-Virus in das Erbgut des vesikulären Stomatitis-Virus (VSV) eingefügt hat. Die Impfung verhinderte bei fünf von sechs Javaneraffen einen Ebola-Tod (DOI: 10.1093/infdis/jiad207).
Dieser Impfstoff wurde jedoch bisher nicht auf seine Sicherheit beim Menschen getestet. Fachleute gehen davon aus, dass die WHO sich für eine Kombination aus bereits auf Sicherheit getesteten Impfstoffen entscheidet, etwa eine Erstimpfung mit VSV-Sudan, gefolgt von einer Auffrischung mit VSV-Zaire.
Ebola-Patient soll in Berlin behandelt werden
Ein auf Bitten der US-Regierung nach Deutschland ausgeflogener Ebola-Patient aus der Demokratischen Republik Kongo soll auf einer Spezialstation der Charité in Berlin behandelt werden, wie das Bundesgesundheitsministerium heute mitteilte. Nach Aussagen der christlichen US-Hilfsorganisation Serge handelt es sich bei dem Patienten um einen ihrer Ärzte.
Die Sonderisolierstation der Charité ist nach Angaben der Klinik eine „hochspezialisierte Infrastruktur für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hochansteckenden lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten“. Die Station sei eine in sich geschlossene und geschützte Einheit und ermögliche die sichere Isolation, Diagnostik und Behandlung von bis zu 20 Menschen gleichzeitig.
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