Ebola und andere Ausbrüche: Experten dringen auf Abschluss des WHO-Pandemievertrags

Genf/Kinshasa/Bunia – Mehrere der jüngsten Krankheitsausbrüche wie der des Ebolafiebers zeigen für Dutzende internationale Fachleute, dass die Welt nicht für das Auftreten eines neuen pandemischen Erregers gewappnet ist. Eindringlich rufen sie in einem Offenen Brief, den das Portal Politico gestern veröffentlicht hat, zum Handeln auf. Der Kreislauf aus Panik und Vernachlässigung im Umgang mit Ausbrüchen sei nicht länger hinnehmbar.
Die Ausbrüche seit der COVID-19-Pandemie – des Ebolavirus, des Hantavirus und von Mpox – seien vorhersehbar gewesen, aber trotzdem nicht verhindert worden, heißt es in dem Schreiben. „Sie müssen die letzten seltenen, aber bekannten Krankheiten sein, die uns überraschen. Wie wir gerade in diesem Jahrzehnt an COVID-19 gesehen haben, sind sie nur eine Warnung dafür, was ein Erreger mit Pandemiepotenzial anrichten könnte.“
Eine neue pandemische Gefahr werde kommen, so die Verfasser. „Wir haben keine andere Wahl, als politischen Mut, nachhaltige Investitionen und Taten einzufordern.“ Gerichtet ist der Brief an Staats- und Regierungschefs, Staats-, Finanz- und Gesundheitsminister sowie Leiter internationaler Organisationen und Behörden im Bereich der Krankheitsvorbeugung und -kontrolle.
Seit der Coronapandemie habe man zwar durchaus Fortschritte gemacht, doch beispielsweise sei das internationale Pandemieabkommen nach wie vor unvollständig, es gebe zu wenige nationale Pandemiepläne und ein zu geringes Budget für das Thema, wird im Offenen Brief festgehalten.
„Es wurde versprochen innerhalb von 100 Tagen nach der Identifizierung einer neuen Bedrohung Diagnosemöglichkeiten, Impfstoffe und Behandlungsmethoden bereitzustellen – und obwohl es Fortschritte gegeben hat, wird dies im Fall von Bundibugyo nicht geschehen“, schreibt die Gruppe mit Blick auf die Ebolavirusspezies, die den aktuellen Ausbruch von Ebolafieber in der Demokratischen Republik Kongo verursacht hat.
Zu den Forderungen im Offenen Brief zählen unter anderem die Finalisierung und Ratifizierung des WHO-Pandemieabkommens – zu dem noch fehlenden Anhang ist noch immer keine Einigung erzielt worden –, eine faire, verlässliche Finanzierung für Prävention und die Umsetzung des One-Health-Ansatzes.
Unterzeichnet haben Mitglieder mehrerer Gremien aus dem Bereich der Pandemievorsorge, darunter das Independent Panel for Pandemic Preparedness and Response, das Panel for a Global Public Health Convention, der Global Council on Inequality, AIDS and Pandemics sowie das Global Preparedness Monitoring Board. Hinzu kommt eine Liste von Einzelpersonen aus verschiedenen Ländern.
Bekannte Namen darunter sind etwa die ehemalige neuseeländische Premierministerin Helen Clark, die ehemalige liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf und David Miliband, Präsident und CEO des International Rescue Committee und ehemaliger britischer Außenminister.
Hintergrund für das Schreiben ist neben den andauernden Verhandlungen der WHO-Mitgliedsstaaten zum letzten Teil des Pandemieabkommens auch ein für September geplantes UN-High-Level-Meeting zum Thema Pandemieprävention, -vorsorge und -reaktion in New York.
Immer mehr Ebola-Nachweise in der DR Kongo
In der DR Kongo ist unterdessen die Zahl der bestätigten Ebola-Todesfälle auf 101 gestiegen. Wie das Informationsministerium des zentralafrikanischen Staates auf der Plattform X mitteilte, waren bis Sonntag 550 Krankheitsfälle bestätigt. 309 Menschen befanden sich den Angaben zufolge im Krankenhaus oder in Isolation. 19 Patienten seien auf dem Weg der Besserung, hieß es.
Um die Ausbreitung zu stoppen, ist es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nötig, 90 Prozent aller Menschen, die mit einer infizierten Person in Kontakt waren, zu ermitteln und zu beobachten. Derzeit liegt die Kontaktverfolgung nach Angaben des Informationsministeriums in Kinshasa bei rund 64 Prozent. Der Ausbruch wurde wegen der bisher seltenen Virusspezies erst relativ spät entdeckt, gegen diese gibt es keinen Impfstoff.
In der nordostkongolesischen Region Ituri, wo das Zentrum des derzeitigen Ausbruchs liegt, ist die vorhandene medizinische Infrastruktur schon unter normalen Umständen schwach. Zusätzliche Herausforderung für Helfer ist die Unsicherheit in der Konfliktregion, in der mehrere bewaffnete Gruppen aktiv sind.
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