EMA empfiehlt Zulassung von Orforglipron bei Adipositas und Typ-2-Diabetes

Amsterdam – Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat eine Zulassungsempfehlung für Orforglipron (Handelsname: Foundayo) ausgesprochen. Der oral verfügbare GLP-1-Rezeptoragonist soll bei Erwachsenen zum Gewichtsmanagement sowie zur Behandlung des Typ-2-Diabetes eingesetzt werden, heißt es in der Mitteilung der Behörde.
Vorgesehen ist Orforglipron jeweils ergänzend zu gesunder Ernährung und körperlicher Aktivität. Im Bereich Gewichtsmanagement betrifft die Empfehlung Erwachsene mit Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m²) oder Übergewicht (BMI ≥ 27 bis < 30 kg/m²) mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung.
Bei Typ-2-Diabetes ist der Einsatz bei Erwachsenen vorgesehen, deren Blutzucker unter diätetischen Maßnahmen und Bewegung nicht ausreichend kontrolliert ist. Laut EMA kann Orforglipron dabei als Monotherapie, wenn Metformin nicht geeignet ist, oder in Kombination mit anderen Antidiabetika angewendet werden.
Orforglipron ist ein einmal täglich oral einzunehmender, niedermolekularer Nicht-Peptid-GLP-1-Rezeptoragonist. Nach Angaben der EMA kann die Tablette zu jeder Tageszeit, mit oder ohne Nahrung, eingenommen werden. Damit stellt das Präparat eine Alternative zu injizierbaren und anderen oralen GLP-1-basierten Therapien dar. Die Behandlung beginnt mit einer niedrigen Dosis, die schrittweise entsprechend dem Ansprechen und der Verträglichkeit gesteigert wird.
Wirkmechanismus und Anwendung
Pharmakologisch aktiviert Orforglipron den Rezeptor für Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1). Dadurch werden Appetit und Sättigungsgefühl beeinflusst, was die Gewichtsreduktion unterstützt. Zudem senkt der Wirkstoff den Blutzucker, indem er die glukoseabhängige Insulinfreisetzung steigert, die Glukagonsekretion reduziert und die Insulinempfindlichkeit verbessert.
Die CHMP-Empfehlung zum Gewichtsmanagement stützt sich nach EMA-Angaben auf 2 Studien mit mehr als 4.740 Erwachsenen mit Adipositas oder Übergewicht. Eine Studie schloss Erwachsene ohne Typ-2-Diabetes, aber mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung ein, die andere Erwachsene mit Typ-2-Diabetes. Nach 72 Wochen verloren die mit Orforglipron behandelten Teilnehmenden je nach Dosis etwa 5 – 11 % ihres Körpergewichts, unter Placebo waren es rund 2 – 2,5 %.
Für die Indikation Typ-2-Diabetes wurde Orforglipron in 4 Studien mit 3.765 Erwachsenen untersucht, deren Blutzucker mit Diät und Bewegung allein oder zusammen mit anderen Antidiabetika nicht ausreichend kontrolliert war.
Verglichen wurde mit Placebo, Dapagliflozin oder oralem Semaglutid. Der HbA1c-Wert sank unter Orforglipron je nach Dosis um etwa 1,2 – 1,9 %. Unter Placebo betrug die Reduktion 0,4 – 0,8 %, unter Dapagliflozin 10 mg 0,8 % und unter oralem Semaglutid 1,2 – 1,5 %.
Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen zählten laut EMA Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö. Diese traten insbesondere während der Dosiseskalation häufiger auf und nahmen im Verlauf der Behandlung ab.
Nächster Schritt im Zulassungsverfahren
Die positive CHMP-Stellungnahme ist ein Zwischenschritt im zentralen europäischen Zulassungsverfahren. Die Empfehlung wird nun an die Europäische Kommission weitergeleitet, die über die EU-weite Marktzulassung entscheidet. Über Preis und Erstattung wird anschließend auf Ebene der einzelnen Mitgliedstaaten entschieden.
Nach Angaben von Lilly basiert die Zulassungsempfehlung auf den Phase-3-Programmen ATTAIN bei Adipositas und ACHIEVE bei Typ-2-Diabetes mit insgesamt mehr als 10.000 Studienteilnehmenden. Das Unternehmen hebt zudem in einer Mitteilung hervor, dass Orforglipron der erste und einzige oral verfügbare, nicht peptidische GLP-1-Rezeptoragonist sei.
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