Medizin

Embolisation bei Kniearthrose: Nutzen bislang nicht klar belegt

  • Freitag, 28. August 2026
/yodiyim, stock.adobe.com
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Berlin – Die Embolisation der Genikulararterie (GAE) hat sich als neuartiger Eingriff zur Behandlung einer Entzündung bei Kniearthrose etabliert. Doch methodisch aussagekräftige Studien konnten bislang keinen eindeutigen zusätzlichen Nutzen belegen. Das zeigt eine Metaanalyse, die eine amerikanische Arbeitsgruppe jetzt im Fachmagazin Skeletal Radiology veröffentlicht hat (2026, DOI: 10.1007/s00256-026-05340-x).

„Wir begrüßen neue, weniger invasive Möglichkeiten, Arthrosebeschwerden zu behandeln und sollten sie offen prüfen“, kommentierte Georgi Wassilew, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE) und Direktor der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin an der Universitätsmedizin Greifswald, die Studie, an der er nicht beteiligt war. Entscheidend sei aber, ob sich ihr Nutzen auch im direkten Vergleich mit einer Kontrollbehandlung bestätige und für wen sie tatsächlich geeignet seien.

Bei Arthrose entstehen im Gelenk vermehrt neue Blutgefäße, die Entzündungsprozesse und möglicherweise auch die Schmerzentstehung fördern. Hier setzt die GAE an, die auch „Transarterielle Periartikuläre Embolisation“ (TAPE) genannt wird.

Über einen Katheter werden kleine Gefäße, die entzündlich verändertes Gewebe am Knie versorgen, gezielt verschlossen. Dadurch sollen die verstärkte Durchblutung und entzündliche Prozesse reduziert und Schmerzen gelindert werden. Der Eingriff erfolgt meist unter örtlicher Betäubung über eine Arterie in der Leiste.

Die US-amerikanische Arbeitsgruppe wertete zu dem Verfahren 18 Studien mit 534 Patientinnen und Patienten mit Kniearthrose aus. Die Metaanalyse umfasste laut den Forschenden überwiegend unkontrollierte Studien, in denen die Beschwerden vor und nach der Behandlung verglichen wurden.

Erfasst wurden unter anderem Bewertungsskalen, mit denen Betroffene ihren Gesundheitszustand und den Erfolg einer Behandlung selbst einschätzen können, zum Beispiel mittels einer „Visuellen Analogskala“ (VAS) zur Schmerzerfassung zwischen 0 und 100.

Es zeigte sich eine signifikante und anhaltende Schmerzlinderung mit mittleren VAS-Abnahmen von 3,96 (95-%-Konfidenzintervall:[ -4,64; -3,27]), 4,17 [-4,81; -3,54), 4,36 [-5,09; -3,63] und 4,53 [-5,47; -3,60] Punkten nach 1, 3, 6 und 12 Monaten. Das Ausmaß der VAS-Verbesserung überstieg laut der Arbeitsgruppe zu allen Zeitpunkten die allgemein anerkannten klinischen Schwellenwerte.

„Damit zeigen die Daten zwar, dass sich die Beschwerden nach einer GAE häufig bessern. Sie erlauben aber nur eingeschränkt die Aussage, ob diese Verbesserung tatsächlich auf die Embolisation zurückzuführen ist“, so Wassilew. „Die GAE setzt an einem möglichen Mechanismus der Schmerzentstehung an. Sie beseitigt aber nicht die bereits vorhandenen strukturellen Veränderungen des Gelenks“, betonte er.

Die AE weist in diesem Zusammenhang auf eine Übersichtsarbeit im Journal of Orthopaedics aus 2025 hin, die drei randomisierte Studien mit insgesamt insgesamt 138 Teilnehmenden ausgewertet hat. Während eine frühe kleinere Untersuchung einen Vorteil der GAE zeigte, konnten die beiden neueren Studien keinen signifikanten Unterschied gegenüber der Scheinbehandlung nachweisen (2025, DOI: 10.1016/j.jor.2025.07.022).

Zu einem ähnlich zurückhaltenden Ergebnis kommt der Medizinische Dienst Bund. Seine 2026 veröffentlichte Nutzenbewertung basiert ebenfalls auf drei randomisierten kontrollierten Studien und sieht derzeit keinen Hinweis auf einen Nutzen der TAPE bei Gonarthrose. „Dies bedeutet nicht, dass das Verfahren nachweislich unwirksam ist. Die vorhandenen hochwertigen Vergleichsdaten reichen jedoch bislang nicht aus, um einen zusätzlichen Nutzen belastbar nachzuweisen“, interpretiert die AE diese Einstufung.

Die aktuelle S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Gonarthrose empfiehlt abhängig von Krankheitsstadium und Beschwerden ein stufenweises Vorgehen. Dazu gehören unter anderem Bewegung und Muskelkräftigung, bei Übergewicht eine Gewichtsreduktion sowie medikamentöse Maßnahmen. Bei fortgeschrittener Arthrose kann nach ausgeschöpfter konservativer Behandlung eine Knieendoprothese in Betracht kommen.

hil

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