Ergo- und Physiotherapie: AOK bemängelt hohe Ausgaben durch Blankoverordnungen

Berlin – Seit dem Jahr 2024 können Blankoverordnungen für die Ergo- und Physiotherapie ausgestellt werden. Der AOK-Bundesverband hat anhand von Abrechnungsdaten eine Bilanz gezogen – und die zeigt eine Mengen- und Kostensteigerung. Gleichzeitig fehlten Belege für einen Qualitätsgewinn, so der Kassenverband.
In der Ergotherapie sind den Daten des AOK-Bundesverbands zufolge die Ausgaben seit Zulassung der Blankoverordnungen im April 2024 in den entsprechenden Diagnosebereichen um 62 Prozent gestiegen, die Anzahl an Behandlungen hat um 34 Prozent zugenommen.
In der Physiotherapie, für die Blankoverordnungen seit November 2024 für Diagnosen im Schulterbereich möglich sind, liegt der Kostenanstieg bei fast 100 Prozent. Die Zahl der abgerechneten Behandlungen wuchs nach AOK-Angaben um 73 Prozent.
Im vergangenen Jahr hat die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) 557 Millionen Euro für Blankoverordnungen in der Physiotherapie und 439 Millionen Euro in der Ergotherapie ausgegeben.
„Auf dem Feld der Blankoverordnungen in der Physio- und Ergotherapie zeigt sich gerade exemplarisch, was passiert, wenn Leistungserbringer die volle Versorgungsverantwortung übernehmen und gleichzeitig Instrumente der Kostensteuerung und Kostenkontrolle wegfallen“, sagte die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann.
Sie betonte, die von den Heilmittelverbänden geforderte Blankoverordnung werde „offenbar in Teilen als Blankoscheck für Einnahmeoptimierung“ missverstanden. Reimann forderte daher, die Blankoverordnungen zu begrenzen.
Die Gesamtkosten GKV für Heilmittel sind um 10,4 Prozent beziehungsweise 1,4 Milliarden Euro gestiegen. Damit lag das Ausgabenwachstum das dritte Jahr in Folge oberhalb von zehn Prozent. Seit 2019 sind die Aufwendungen für Heilmittel um insgesamt rund 5,9 Milliarden Euro beziehungsweise 68 Prozent gestiegen.
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