Europäische Union fördert Phagentherapie gegen Bakterien

Frankfurt – Eine neue Strategie gegen wiederkehrenden Harnwegsinfektionen erprobt ein internationales Konsortium unter Leitung der Universitätsmedizin Frankfurt. Die Europäische Union fördert das Vorhaben namens „REPhRAME“ über ihr Programm „Horizon Europe“ mit 15 Millionen Euro über fünf Jahre.
Das Forschungsteam um Maria Vehreschild setzt auf einen zweistufigen Therapieansatz. Zunächst sollen Phagen – Viren, die gezielt Bakterien abtöten – die Krankheitserreger bekämpfen. Anschließend wird die Darmflora wiederhergestellt, um erneute Infektionen zu verhindern.
Jedes Jahr erkranken weltweit mehr als 400 Millionen Menschen an einer Harnwegsinfektion; bei 30 bis 50 Prozent tritt die Infektion wiederholt auf. Da die Standardbehandlung mit Antibiotika das Risiko von Resistenzen erhöht, stehen Betroffene oft in einem Kreislauf aus Infektion, Antibiotikagabe und erneuter Infektion – ohne dauerhaften Ausweg.
„REPhRAME soll die Phagentherapie von einem vielversprechenden Forschungsansatz zu einer klinisch erprobten Behandlungsoption machen – mit belastbaren Daten zu Sicherheit, Wirksamkeit und Implementierung“, erläutert Vehreschild, Leiterin des Schwerpunkts Infektiologie der Universitätsmedizin Frankfurt und Gesamtverantwortliche des Projekts.
Damit wolle man das Fundament legen, auf dem die Phagentherapie europaweit in die medizinische Praxis einziehe. Zum Einsatz kommen sollen mithilfe der CRISPR-Genschere entwickelte Phagen, die gezielt gegen die häufigsten Auslöser von Harnwegsinfektionen vorgehen und dabei die Entstehung neuer Resistenzen erschweren.
Im zweiten Schritt sollen die Teilnehmenden Stuhlbakterien von gesunden Spendern erhalten, um das natürliche Gleichgewicht im Darm zu reaktivieren. Ziel ist es, den Körper langfristig vor erneuten Infektionen zu schützen.
„Ich bin zuversichtlich, dass REPhRAME die klinische Nutzung phagenbasierter Therapien entscheidend voranbringen wird – zum unmittelbaren Nutzen unserer Patientinnen und Patienten“, sagte Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Frankfurt.
Das Forschungsteam plant eine Reihe begleitender Untersuchungen: Vorgesehen sind unter anderem Analysen dazu, wie Phagen im Körper wirken und abgebaut werden, welche Abwehrreaktionen sie auslösen und wie sich das Mikrobiom im Behandlungsverlauf verändert.
Darüber hinaus sollen KI-gestützte Modelle entwickelt werden, die vorhersagen, bei welchen Personen die Therapie besonders gut anschlägt. Geplant sind zudem gesundheitsökonomische Berechnungen sowie eine systematische Erhebung der Patientenperspektive – etwa zu Beschwerden, Lebensqualität und der Akzeptanz der neuen Behandlung.
Zu dem Forschungskonsortium unter Leitung der Universitätsmedizin Frankfurt gehören 16 Partner aus Wissenschaft, klinischer Forschung und Industrie in acht europäischen Ländern, unter anderem SNIPR Biome in Dänemark, die Fraunhofer-Gesellschaft, das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung, die Medizinische Hochschule Hannover, das Swiss Institute of Bioinformatics, die Universität Bern und die Universität Zürich sowie die University of Leicester und die University of Reading im Vereinigten Königreich.
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