Honorarergebnis 2015: Gassen und Feldmann erläutern rasche Einigung
Berlin – Die beiden Vorstände der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen und Regina Feldmann, haben gestern das in den diesjährigen Honorarverhandlungen erzielte Ergebnis verteidigt. Er sei erstaunt, „welche extreme Wahrnehmung der diesjährige Honorarabschluss hat“, sagte Gassen. Dass sich KBV und GKV-Spitzenverband einigen konnten und nicht der Erweiterte Bewertungsausschuss einberufen wurde, würdigte der KBV-Vorstandsvorsitzende ausdrücklich: „Ich glaube, das ist ein hoher Wert. Es ist doch die Frage, ob man auf Dauer ritualisierte Verhandlungen ablaufen lassen will, die nur dazu führen, dass man den Verhandlungspartner desavouiert, ohne dass dies nennenswert Einfluss auf das Ergebnis hätte.“
Gassen verwies darauf, dass nicht allein ein Honorarplus von rund 850 Millionen Euro für 2015 verhandelt worden sei. KBV und GKV-Spitzenverband hätten sich im Rahmen einer Protokollnotiz auch darauf verständigt, zum 1. Januar 2016 eine Anpassung des kalkulatorischen Arztlohns zu prüfen. Der KBV-Vorstand nimmt zudem eine grundsätzliche Bereitschaft beim GKV-Spitzenverband wahr, für die Versorgung der Versicherten auch Geld auszugeben.
KBV-Vorstand Feldmann verwies auf die zusätzlichen Honorarmittel für Versorgungsassistentinnen in Hausarztpraxen. Sie unterstrich, dass Zuschläge allen Hausarztpraxen zugutekommen könnten, die qualifizierte Mitarbeiterinnen beschäftigten, also auch großen Praxen in Städten wie Berlin oder Hamburg, nicht allein Versorgerpraxen auf dem Land. Man wolle diese Strukturförderung ausbauen, so die Vereinbarung für das nächste Jahr.
850 Millionen plus: Geteiltes Echo in der Ärzteschaft
Die Honorareinigung zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband hat in der Ärzteschaft ein geteiltes Echo ausgelöst. Lob kam unter anderem von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen. „Die Einigung schafft eine gute Grundlage für unsere Verhandlungen auf Landesebene“, sagte deren Vorstandsvorsitzende Annette Rommel. Sie lobte besonders, dass die Einigung ohne Schiedsamt zustande gekommen sei und dass außerhalb des Gesamtbudgets zusätzliches Geld für die fachärztliche Grundversorgung und für die Leistungen qualifizierter nichtärztlicher Praxisassistenten zur Verfügung stehen werde.
Kritik kam dagegen vom Verbund Medi-Geno: Die vereinbarten gut 800 Millionen Euro mehr bedeuteten umgerechnet auf die über 150.000 Arztpraxen in Deutschland ein Umsatzplus von rund 400 Euro pro Monat. „Damit werden Probleme wie das Praxissterben bei den Hausärzten oder zunehmende Wartezeiten in den Facharztpraxen verschärft“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Medi Geno Deutschland, Werner Baumgärtner.
Gar als „Kapitulation vor den Kassen und Ohrfeige für die niedergelassenen Fachärzte“ bezeichnete der Bundesverband Niedergelassener Fachärzte das Verhandlungsergebnis. „Die Zugeständnisse der Kassen reichen nicht einmal aus, den Inflationsausgleich zu bedienen und die innerhalb eines Jahres um knapp neun Prozent gestiegenen Tariferhöhungen unserer Mitarbeiter auszugleichen, geschweige denn, die massiven Defizite in der Vergütung vergangener Jahre zu egalisieren“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Wolfgang Bärtl.
Eine grundsätzliche Neuordnung des Honorarsystems in der gesetzlichen Krankenversicherung fordert derweil der Hartmannbund. „Wir sind in Deutschland in der vergleichsweise komfortablen Situation, weitgehend ohne existenziellen Druck ein System reformieren zu können, wenn alle Seiten dazu echte Bereitschaft zeigen“, sagte dessen Vorsitzender Klaus Reinhardt.
Es müsse auch im Interesse der Kassen liegen, sich mit den Ärzten an einen Tisch zu setzen und über feste Preise, Patientenbeteiligung und Freiberuflichkeit zu unterhalten. „Wir wollen gesunde Patienten, die Kassen wollen zufriedene Versicherte. Wenn sich das nicht miteinander vernünftig vereinbaren lässt, dann sind wir gescheitert“, sagte der HB-Vorsitzende.
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