Fachgesellschaften empfehlen gezieltes Nierenscreening

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) empfehlen ein gezieltes, systematisches Screening auf chronische Nierenkrankheit (CKD) bei Risikopatientinnen und -patienten. Dazu zählen insbesondere Menschen mit Diabetes mellitus, arterieller Hypertonie, kardiovaskulären Erkrankungen, Adipositas, familiärer Vorgeschichte sowie nach akutem Nierenversagen.
In Deutschland sind laut den Fachgesellschaften rund zehn Prozent der erwachsenen Bevölkerung von einer CKD betroffen. Die Zahl der Erkrankten steigt kontinuierlich. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem die Alterung der Bevölkerung sowie die zunehmende Verbreitung von Diabetes mellitus und Adipositas sowie klimabedingte Faktoren, etwa Hitze und Feinstaubbelastung.
Eine CKD verläuft in frühen Stadien meist ohne Symptome und bleibt daher häufig lange unentdeckt. Sie tritt häufig im Zusammenhang mit Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Eine frühzeitige Testung ermöglicht es, die Erkrankung rechtzeitig zu erkennen und ihr Fortschreiten durch geeignete Therapien zu verlangsamen oder sogar zu stoppen. „Die CKD wird leider oft erst spät diagnostiziert – dann sind die Behandlungsmöglichkeiten jedoch begrenzt und Schäden lassen sich nicht mehr rückgängig machen“, sagte der Präsident der DGfN, Martin Kuhlmann.
DGfN und DDG sprechen sich daher für ein gezieltes, evidenzbasiertes Screening insbesondere bei Risikogruppen aus. Dies sollte die Bestimmung der Albumin-Kreatinin-Ratio im Urin in Kombination mit der geschätzten glomerulären Filtrationsrate im Blut enthalten. „Menschen mit Diabetes haben ein besonders hohes Risiko für eine CKD. Eine konsequente Früherkennung ermöglicht es, Komplikationen zu vermeiden und den Krankheitsverlauf frühzeitig positiv zu beeinflussen“, sagte Baptist Gallwitz, Sprecher der DDG.
Beide Fachgesellschaften warnen davor, präventive Urinuntersuchungen grundsätzlich aus dem Präventionsangebot der gesetzlichen Krankenversicherung zu streichen. Sie weisen daraufhin, dass die Finanzkommission Gesundheit in ihrem Bericht nicht die Urinuntersuchung an sich als Früherkennungsmaßnahme kritisiert hat, sondern ausdrücklich die anlasslose Anwendung eines unspezifischen Harnstreifentests auf Eiweiß, Glucose, Erythrozyten, Leukozyten und Nitrit. „Dieser Unterschied ist zentral und muss in der Gesetzesbegründung korrekt dargestellt werden“, betonte Kuhlmann.
Die DGfN weist seit Jahren darauf hin, dass die bislang im Check-up oft eingesetzten Teststicks wenig sensitiv sind und daher eine CKD häufig nicht zuverlässig erkennen. Entscheidend für eine wirksame Früherkennung sei die Kombination aus Albumin-Kreatinin-Ratio im Urin in Kombination mit der geschätzten glomerulären Filtrationsrate im Blut. „Beide Verfahren sind evidenzbasiert, praxistauglich und können auch durch geschulte, nicht-ärztliche Gesundheitsfachkräfte durchgeführt werden“, so der DGfN-Präsident.
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