Medizin

Fachleute betonen Chancen eines Leber-Screenings

  • Dienstag, 22. September 2026
Ultraschall des Abdomens /AdobeStock.com Anna Jurkovska
Ultraschall des Abdomens /AdobeStock.com Anna Jurkovska
Dieses Dialog-Fenster öffnen

Mainz – Eine breitere Früherkennung mit Blick auf die Fettleber befürworten Fachleute aus der Sonografie und der Gastroenterologie. „Ultraschall kann eine Fettleber und frühe Gefäßveränderungen sichtbar machen, bevor sie Beschwerden verursachen“, sagte heute Sabine Guth, Ärztliche Leiterin von Sana Praevention, auf einer Pressekonferenz. Sie ist Präsidentin des Dreiländertreffens der drei deutschsprachigen Ultraschallgesellschaften – der Kongress findet vom 23. bis 26. September in Mainz statt.

Schätzungen zufolge leben hierzulande rund 20 Millionen Menschen mit einer Fettleber. Sie haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, für Stoffwechselleiden sowie für Leberkrebs. Ein Ultraschall könnte eine Fettleber frühzeitig anzeigen, sei fast überall verfügbar, kostengünstig und habe kaum Nachteile für Patientinnen und Patienten, erläuterte Guth. Zudem seien Lebensstiländerungen für Betroffene leichter umzusetzen, wenn sie eindrückliche Bilder ihrer Fettleber sehen könnten.

Zudem könnten bei einem Ultraschall auch Tumorerkrankungen im Bauchraum erkannt werden, so Guth. Als Beispiele nannte sie Nierenzellkarzinome und Blasenpapillome. Spät erkannt, seien diese nur mit teuren und nebenwirkungsreichen Therapien sowie schlechter Prognose zu behandeln.

„Dennoch ist der Ultraschall nach wie vor nicht in den gesetzlich vorgesehenen Präventionsleistungen enthalten. Keine der gesetzlichen Vorsorgeleistungen, zum Beispiel der Check-up 35, die gynäkologische oder die urologische Vorsorge, enthält regelhaft Ultraschalldiagnostik.“ Das liegt Guth zufolge auch daran, dass bislang die Studienlage zur Abdomensonografie als Früherkennung unzureichend sei.

Bislang ist die Abdomensonografie zur Vorsorge nur als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) möglich. „Ich persönlich würde mindestens allen Patientinnen und Patienten ab 40 Jahren empfehlen, eine Basisultraschalluntersuchung zu machen“, erklärte Guth. Die Frequenz der Wiederholungsuntersuchungen sollten dann je nach Befund angesetzt werden.

„Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, zumindest die Abdomensonografie in das Vorsorgekonzept einzubinden“, sagte Guth. Der Kritik, dass bei einem anlasslosen Screening viele unwichtige Zufallsbefunde dabei sind, die Patientinnen und Patienten beunruhigen könnten, begegnet sie so: „Dies kann ich aus eigener praktischer Erfahrung nicht bestätigen. Harmlose Zufallsbefunde können in der Regel durch erfahrene Untersuchende auch als solche eingeordnet werden. Risikobefunde können dann unmittelbar demonstriert und im Verlauf nachkontrolliert werden.“

Im Juni hatte sich bereits die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) für ein Leberscreening stark gemacht. „Die Leber leidet stumm“, sagte damals DGVS-Präsident Heiner Wedemeyer auf einer Pressekonferenz. Deshalb müssten Verfettungen, Vernarbungen und Entzündungen möglichst früh erkannt werden, um entsprechend behandeln zu können.

Wichtig wäre, bei Vorsorgeuntersuchen den Fib-4-Wert zu ermitteln, der einen Hinweis auf Leberfibrose liefern kann, erläuterte Wedemeyer. Der Score beruht auf den Leberwerten GOT und GPT sowie auf der Anzahl der Thrombozyten. Idealerweise würde dann auch noch eine Leberelastografie durchgeführt. „Damit kann man die Menschen perfekt stratifizieren.“

fri

Diskutieren Sie mit:

Deutsches Ärzteblatt bei Google bevorzugen

Wenn Sie Deutsches Ärzteblatt als bevorzugte Quelle festlegen, können Inhalte von uns in Ihren Google-Ergebnissen sichtbarer erscheinen.

Jetzt bei Google bevorzugen

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung