Fachleute einig: Prävention muss weiter gestärkt werden

Berlin – Die Gelder aus der geplanten Zuckerabgabe und Brandweinsteuer, aber auch aus der Tabaksteuer sollten in den Gesundheits- und Präventionsbereich fließen. Dafür sprach sich Serdar Yüksel (SPD), Mitglied des Bundesgesundheitsausschusses, gestern beim Nachhaltigkeitsforum We Act Con in Berlin aus.
Zudem brauche es einen niedrigschwelligeren Zugang zur Prävention: Um für soziale Gerechtigkeit zu sorgen, müssten Bürger aller Einkommensstufen mitgenommen werden, betonte Yüksel.
Das Präventionsgesetz werde und müsse kommen, man mache dem Ministerium derzeit schon viel Druck, so der SPD-Politiker. Um einen funktionierenden Sozialstaat zu garantieren und zu erhalten, sei es wichtig, die derzeitige Umbruchphase zu nutzen und das „Chaos“ zu ordnen.
Rüdiger Krech, Leiter der Abteilung Umwelt, Klimawandel, One Health und Migration bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO), ging auf das Thema Verbote bei der Prävention ein. Er machte darauf aufmerksam, dass diese meist nicht wirkten.
Man könne Alkohol beispielsweise nicht plötzlich der gesamten Bevölkerung verbieten. Es gebe jedoch Positivbeispiele aus anderen Ländern wie England, wo der Zugang zum Tabak einzelnen Jahrgängen nun schrittweise erschwert beziehungsweise verboten werde.
Wichtig sei zudem, dass es keinen Flickenteppich von Maßnahmen gebe und nicht jedes Bundesland seinen eigenen Weg gehe. Auch hierbei sei England ein Vorbild, so Krech. Die Zuckersteuer habe man beispielsweise flächendeckend als „Gesamtpaket“ umgesetzt. Um die Maßnahmen planen und umsetzen zu können, müssten alle Beteiligten zusammengebracht und ihre Perspektiven angehört werden – damit sie dies auch gerne täten und sich gehört fühlten.
Es dürften keine Parallelregulierungen entstehen, betonte auch Matthias Heck, Berater bei der European Confederation of Pharmaceutical Entrepreneurs (EUCOPE), einem europäischen Verband für pharmazeutische Unternehmen. Damit keine Komplikationen geschaffen würden, müssten alle Perspektiven einbezogen werden und alle Beteiligten zusammenarbeiten.
Auch die Bürgerinnen und Bürger müssten an der Prävention und an neuen Ideen beteiligt werden, sagte Eckhard Nagel von der Universität Bayreuth. Insbesondere über die Gesundheit könnten viele wieder beginnen, sich mit dem Gemeinwesen zu identifizieren.
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