Fast jeder Zweite beklagt in Umfrage schlechtere Hausarztversorgung

Berlin – Der Verband der Hausärztinnen- und Hausärzte (HÄV) drängt auf schnelle Reformen zur Stabilisierung der hausärztlichen Versorgung in Deutschland.
Der frisch vereidigte Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) habe zwar bis zum Ende der Legislaturperiode zweieinhalb Jahre Zeit, müsse aber jetzt handeln, sagte der Co-Bundesvorsitzende des Verbands, Markus Blumenthal-Beier, anlässlich einer beginnenden Verbandstagung in Berlin.
Andernfalls drohe in Teilen Deutschlands ein Zusammenbruch der hausärztlichen Versorgung. „Wir sind in unseren Praxen durchgeschüttelt, die Situation ist unübersichtlich und es bestehen viele Ängste“, sagte Blumenthal-Beier.
Zentrales Reformvorhaben der Versorgungssicherung bleibt dem Verband zufolge die Einführung eines verbindlichen hausärztlichen Primärversorgungssystems bis zum Ende der Legislaturperiode.
Der HÄV fordert den Gesundheitsminister zudem dazu auf, die Verschleppung der Beschlüsse zur Verabschiedung einer neuen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), aufwendige Regressverfahren durch Krankenkassen sowie die zunehmende Konkurrenz durch investorenfinanzierte Medizinische Versorgungszentren (iMVZ) zu stoppen.
Kurzfristig seien die Rücknahme des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes sowie die geplante Regelverschärfung zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag wesentlich, um die Arbeitsfähigkeit der Praxen nicht zu gefährden.
HÄV-Co-Bundesvorsitzende Buhlinger-Göpfarth betonte, dass die hausärztliche Versorgung als Teil öffentlicher Daseinsvorsorge die wahrgenommene Wohn- und Lebensqualität von Standorten maßgeblich beeinflusse. Im Hinblick auf die Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt merkte sie an: „Wer die hausärztliche Versorgung schwächt, wird an der Wahlurne abgestraft”.
Wie groß der Druck auf die hausärztliche Versorgung inzwischen ist, zeigt nach Angaben des Verbands eine von ihm in Auftrag gegebene Befragung des Instituts Civey. Demnach gaben 44 Prozent der Befragten an, dass sich die Versorgung in ihrer Region innerhalb der vergangenen fünf Jahre verschlechtert habe. 13 Prozent sahen eine Verbesserung.
Für die Erhebung wurden 5.000 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland online befragt. Der Befragungszeitraum war vom 25. bis 27. August 2026. Die Umfrage ist nach Angaben des Instituts repräsentativ.
Mit Blick auf die Sparmaßnahmen der Bundesregierung warnte der Verband vor weiteren Verschlechterungen. 62 Prozent der Befragten erwarten längere Wartezeiten, 60 Prozent weniger Zeit für Patienten.
Jeweils etwa die Hälfte rechnet mit einem erschwerten Zugang zu Hausarztpraxen und einer schlechteren Behandlungsqualität. Zu den Forderungen des Verbands an den Gesundheitsminister gehören deshalb eine stärkere Rolle der Hausärzte, weniger Bürokratie und bessere Rahmenbedingungen für die Praxen.
Deutsches Ärzteblatt bei Google bevorzugen
Wenn Sie Deutsches Ärzteblatt als bevorzugte Quelle festlegen, können Inhalte von uns in Ihren Google-Ergebnissen sichtbarer erscheinen.
Jetzt bei Google bevorzugenDiskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: