Ärzteschaft

Flughafenmalaria: RKI bittet Ärzte um erhöhte Aufmerksamkeit

  • Mittwoch, 2. September 2026
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Berlin – Nach mehreren Fällen von Malaria bei Beschäftigten des Frankfurter Flughafens bittet das Robert-Koch-Institut (RKI) weiterhin um erhöhte Aufmerksamkeit der Ärzteschaft.

Bei Patienten mit Fieber, die an Flughäfen arbeiten oder sich in deren unmittelbarer Nähe aufhalten, sollte eine Malaria differentialdiagnostisch in Betracht gezogen werden. Darauf wird in der Impf-App der Ständigen Impfkommission (STIKO) hingewiesen.

Dies gelte insbesondere im Sommer und bei bestehenden Flugverbindungen mit den Tropen sowie bei Auftreten anderer Symptome neben Fieber, wie etwa gastrointestinale Symptome. Diese könnten gegebenenfalls im Vordergrund stehen.

Relevant ist das Thema nicht nur für Ärztinnen und Ärzte direkt in Frankfurt am Main. „Viele der Beschäftigten des Flughafens wohnen in umliegenden Kommunen und teils auch anderen Bundesländern“, sagte der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, Peter Tinnemann, dem Deutschen Ärzteblatt.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass zwei Beschäftigte des internationalen Flughafens Frankfurt infolge sogenannter Flughafenmalaria gestorben sind. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete.

Insgesamt sind in dem Zusammenhang bisher sechs Erkrankungsfälle von Malaria tropica (durch Plasmodium falciparum) gemeldet worden. Der jüngste bekannte Erkrankungsbeginn war am 15. August.

Details zu den bekannt geworden Fällen nannte Tinnemann aus Datenschutzgründen nicht. Er geht von einem nun abgeschlossenen Geschehen aus, da die mutmaßliche Überträgermücke mittlerweile gestorben sein dürfte. Für die öffentliche Gesundheit sieht er keine Gefahr.

Mit Blick auf mögliche Fälle in der Zukunft gibt Tinnemann zu bedenken: „Malaria kann sich hinter unspezifischen Symptomen verstecken.“ Entscheidendes Kriterium sei aber der Kontakt zum Flughafen.

Bei welchen Beschäftigtengruppen besondere Aufmerksamkeit geboten ist

Das Risiko, von einer aus dem Endemiegebiet mitgereisten infizierten Anopheles-Mücke gestochen zu werden, ist nach seiner Einschätzung je nach Tätigkeitsort am Flughafen ungleich verteilt: Insbesondere bestehe es bei Beschäftigten, die auf dem Vorfeld beispielsweise am Öffnen von Frachträumen und Containern sowie bei der Gepäckabfertigung beteiligt seien.

Wie das Frankfurter Gesundheitsamt auf seiner Webseite erklärt, sind eingeschleppte Anopheles-Mücken in der Regel nicht an die klimatischen Bedingungen in Deutschland angepasst, um sich hier vermehren zu können. Am Flughafen würden Brutstätten vermieden. Generell könnten an Bord mitgereiste Anopheles-Stechmücken hierzulande je nach Alter und Witterungsbedingungen aber Tage bis Wochen überleben, so Tinnemann.

Für das Frankfurter Gesundheitsamt ist es nicht das erste Mal, dass ein Cluster von Flughafenmalaria zu untersuchen ist. Eine nachträgliche Analyse von Fällen aus dem Jahr 2022 beispielsweise ergab, dass damals drei Flughafenbeschäftigte aus unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen (Busfahrer, Gabelstaplerfahrer, Sicherheitsmitarbeiter) wahrscheinlich von einer einzelnen importierten Mücke infiziert wurden.

Schnellstmögliche Diagnostik wichtig

Bei einem der Erkrankten von damals wurde Malaria erst 70 Tage nach Symptombeginn diagnostiziert. Dies verdeutliche, wie schwierig es ist, die Diagnose in einem nicht endemischen Land zu stellen, wenn der epidemiologische Zusammenhang nicht bekannt ist, heißt es in der Studie. Dies habe zu erheblichen Verzögerungen bei der angemessenen Diagnose und Behandlung geführt.

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung gestern berichtete, soll die Ursache bei dem im Juli gestorbenen Flughafenmitarbeiter erst nach dessen Tod festgestellt worden sein. Das RKI betont: „Eine unbehandelte Malaria tropica kann innerhalb weniger Tage zum Tode führen, daher muss bei jedem Verdacht auf Malaria schnellstmöglich eine Diagnostik und ggf. Therapie erfolgen.“

Der genaue Weg der Einschleppung der Anopheles-Mücke ließ sich 2022 nicht klären, auch wurde die Mücke nicht gefunden. In Eurosurveillance hielt das Team damals fest, dass diese Stechmücken bei geeigneten Witterungsbedingungen einen Flugradius von bis zu sieben Kilometern haben. Tinnemann zufolge ist eine detaillierte Aufarbeitung auch des Geschehens aus diesem Sommer geplant.

Am Flughafen Frankfurt arbeiten nach Angaben des Fraport-Konzerns insgesamt rund 80.000 Menschen aus 114 Nationen, mehr als 40 Prozent von ihnen stammen aus mehr als 35 Kilometer entfernten Einzugsgebieten.

ggr

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