Forum Junge Chirurgie schlägt Qualitätsindikatoren für die Weiterbildung vor

Berlin – Das Perspektivforum Junge Chirurgie der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) schlägt Qualitätsindikatoren vor, mit denen sich Struktur, Ablauf und Ergebnisse der chirurgischen Weiterbildung messen lassen. Ziel ist eine datengestützte, lernende Weiterbildungsstruktur, die Transparenz schafft, Stärken sichtbar macht und gezielt auf Verbesserungsbedarfe reagiert. Ein entsprechendes Positionspapier hat das Forum jetzt in der Zeitschrift Chirurgie veröffentlicht (2026; DOI: 10.1007/s00104-026-02474-5).
„Die chirurgische Weiterbildung ist die Grundlage für die Qualität der Versorgung von morgen“, erläutert Sebastian Schaaf, Sprecher des Perspektivforums Junge Chirurgie der DGCH. Trotzdem sei bislang wenig darüber bekannt, wie gut Weiterbildung funktioniere. „Mit klar definierten Qualitätsindikatoren und Zahlen können wir erstmals Transparenz schaffen und Verbesserungen gezielt anstoßen“, so Schaaf.
Eine wichtige Orientierung bei der Weiterbildung bietet der OP-Katalog der jeweiligen Fachrichtung. Er legt fest, wie viele und welche Eingriffe eine angehende Fachärztin oder ein angehender Facharzt während der Weiterbildung durchführen muss. In der Praxis sollen erfahrene, von der Ärztekammer zur Weiterbildung ermächtigte Fachärztinnen und Fachärzte den Nachwuchs dabei begleiten und anleiten.
Aber strukturelle Defizite im Klinikalltag stehen einer geregelten Weiterbildung laut dem Perspektivforum Junge Chirurgie im Weg: Die Supervision operativer Eingriffe erfordere Zeit und Geld. Gleichzeitig fehlten vielerorts verbindliche Strukturen, etwa klare Weiterbildungscurricula, Mentorenmodelle oder systematische Weiterbildungsgespräche. Die Qualität der Weiterbildung hänge daher häufig stark vom jeweiligen Vorgesetzten ab und dauere oft deutlich länger als vorgesehen.
Das Positionspapier „Qualitätsindikatoren für die chirurgische Weiterbildung“ nennt ein strukturiertes Set von Indikatoren, mit denen sich Weiterbildung transparent und vergleichbar abbilden ließe. Dazu gehören unter anderem strukturierte und verbindliche Weiterbildungscurricula, ein definiertes Betreuungsverhältnis zwischen Fachärzten und Weiterzubildenden, dokumentierte Weiterbildungsgespräche und operative Supervision, die Erfassung von Erfolgsquoten bei Facharztprüfungen sowie der Zufriedenheit der Weiterzubildenden.
„Eine gute Weiterbildung entsteht nicht zufällig, sondern braucht verlässliche Strukturen“, betont Frederik Schlottmann, stellvertretender Sprecher des Perspektivforums Junge Chirurgie. Ziel sei es nicht, Weiterbildung stärker zu kontrollieren, sondern Strukturen zu schaffen, die kontinuierliche Verbesserung ermöglichten – und damit langfristig auch die Patientensicherheit stärkten.
„Wenn Weiterbildung transparent organisiert und qualitätsgesichert ist, stärkt das die Attraktivität der Chirurgie und hilft, dringend benötigten Nachwuchs zu gewinnen“, so Thomas Schmitz-Rixen, Generalsekretär der DGCH.
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