Fünf Prozent der 12- bis 17-Jährigen pflegen Angehörige

Berlin/München – Auf die Rolle pflegender Kinder und Jugendlicher haben das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) und Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml (CSU) hingewiesen. Hintergrund ist ein Report des ZQP, nach dem rund fünf Prozent aller Jugendlichen in Deutschland – also etwa 230.000 – bedeutend in die Versorgung Angehöriger eingebunden sind. Grundlage ist eine Forsa-Umfrage aus dem Juni vergangenen Jahres.
90 Prozent der pflegenden Jugendlichen helfen demnach mehrmals in der Woche, ein Drittel von ihnen täglich. Zu den Haupttätigkeiten zählt Unterstützung bei Einkäufen (58 Prozent) oder bei Freizeitaktivitäten (50 Prozent). Ein Drittel unterstützt danach beim Zubereiten von Mahlzeiten, beim Aufstehen oder beim Gehen. Gut ein Viertel der jugendlichen Pflegenden hilft auch bei der Nahrungsaufnahme, indem die jungen Leute etwa Essen kleinschneiden oder anreichen. Bei der Einnahme von Medikamenten helfen 16 Prozent, bei der Körperpflege sieben Prozent.
„Dieser wichtige Einsatz wird bislang zu wenig gewürdigt. Künftig müssen die Hilfs- und Unterstützungsangebote so organisiert werden, dass sie auch junge Pflegende erreichen“, sagte Huml. Die Schirmherrin des ZQP-Reports fügte hinzu: „Für diese jungen Menschen kann ihr Einsatz neben gesundheitlichen auch psychische Folgen haben. Denn sie werden trotz ihres geringen Alters einer großen Verantwortung und erheblichen Belastungen ausgesetzt.“ Laut Huml kann es zu sozialer Isolation kommen und zu Gefühlen der Einsamkeit, Traurigkeit und Angst. Die Folge könnten unter anderem „eklatante Schul- und Ausbildungsprobleme sein“, so die Ministerin.
„Wir sind als Gesellschaft gefordert, unsere Sinne für die Belange junger Pflegender zu schärfen. Denn obwohl sie oft mit besonderen Problemen konfrontiert sind, findet ihre Situation in der Öffentlichkeit kaum Beachtung. Auch in den Schulen ist das Thema oft nicht auf dem Radar. Es fehlt an gezielten Informations- und Unterstützungsangeboten für junge Pflegende“, erklärte Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der ZQP.
„Wichtig sind Unterstützungsmöglichkeiten, damit junge Pflegende ihre familiären Pflegekonstellationen bewältigen und mit Schule und Ausbildung vereinbaren können. Darüber hinaus müssen die relevanten Akteure aus dem pflegerischen und pädagogischen Bereich sowie aus der Familien- und Jugendhilfe besser vernetzt werden“, so Huml.
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