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Gesundheitsförderung sollte laut BKK-Dachverband in den Schulen verankert werden

  • Freitag, 18. September 2026
/New Africa, stock.adobe.com
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Berlin – Gesundheitsförderung sollte in den Schulen eine viel größere Rolle spielen. Dazu müssten sie unter anderem mit Schulgesundheitsfachkräften und einer verlässlichen Finanzierung ausgestattet werden. Das forderte gestern der BKK-Dachverband in einer digitalen Veranstaltung, anlässlich der Veröffentlichung seines Impulspapiers mit dem Titel „Gesund. Gelassen. Gebildet“.

Mehr als 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind nach Angaben des Dachverbands übergewichtig, viele leiden bereits an chronischen Erkrankungen, darunter auch Typ-2-Diabetes. Psychische Belastungen nähmen zu, etwa durch Leistungsdruck, Zukunftsängste oder die Folgen der Coronapandemie. Hinzu kämen Bewegungsmangel und eine problematische Mediennutzung.

„Gesundheit und Bildung hängen eng zusammen: Kinder, die gesundheitlich belastet sind, lernen schlechter, und umgekehrt verbessert Bildung die Gesundheitschancen“, sagte Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK-Dachverbandes.

„Schulen sind zur Projektionsfläche für gesellschaftliche Versäumnisse geworden. Lehrkräfte sollen die Folgen der Coronapandemie, der verschlafenen Digitalisierung und der sozialen Ungleichheit auffangen, aber ihnen fehlen die passenden Werkzeuge“, so Klemm weiter. Die Politik müsse Gesundheit als Kernauftrag von Bildung begreifen, und die Schulen mit einer verlässlichen Finanzierung und Schulgesundheitsfachkräften zukunftsfest machen, forderte sie. Ein gesundes Aufwachsen dürfe nicht vom Engagement einzelner Schulen abhängen.

Großes Potenzial schreibt der BKK-Dachverband den Schulgesundheitsfachkräften zu. „Modellprojekte in mehreren Bundesländern zeigen, dass sie die psychische Gesundheit stärken und die Rückkehr in den Unterricht nach einer Erkrankung verbessern können“, so Klemm. Bereits im Juni hatte der BKK-Dachverband zusammen mit der Bundesschülerinnenkonfererenz, dem Bundeselternrat und dem Deutschen Pflegerat in einem Memorandum gefordert, Schulgesundheitsfachkräfte flächendeckend einzuführen.

Ganz aktuell teilt der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) mit, diese Forderung zu unterstützen. „Studien und Modellprojekte belegen den positiven Beitrag, den Schulgesundheitsfachkräfte zur Gesundheit von Schülerinnen und Schülern und zur Entlastung von Schulpersonal leisten können. Deshalb begrüßen und unterstützen wir diese wichtige Initiative ausdrücklich“, betont Timm Genett, Geschäftsführer Politik beim PKV-Verband in einer Pressemitteilung.

Nicht zwingend sei ein eigenes Schulfach Gesundheit, sondern sinnvoller wäre es, Gesundheitskompetenz in Fächer wie Deutsch, Biologie oder Sozialkunde zu integrieren, erklärte die BKK-Vorständin bei der Veranstaltung. „Wichtig sind dabei besonders Schulleitungen und Lehrkräfte. Sie müssen besser unterstützt und entsprechend aus- und fortgebildet werden, damit sie Gesundheits- und Medienkompetenz systematisch vermitteln können.“

Besonders wichtig sei die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Schulen bräuchten dafür verlässliche und niedrigschwellige Unterstützungsangebote. Bereits bestehende Ansätze – wie „Mental Health First Aid“, eine Bildungsinitiative, die Laien schult, anderen Menschen zu helfen, die sich in einer psychischen Krise befinden oder psychische Gesundheitsprobleme entwickeln – sowie Krisenleitfäden und Lotsenpfade sollten bundesweit stärker vereinheitlicht und verbreitet werden.

Auch die Vermittlung von Medienkompetenz müsse in die Curricula integriert werden, heißt es in dem BKK-Impulspapier. Kinder und Jugendliche müssten lernen, Inhalte einzuordnen, Fake News zu erkennen und soziale Medien verantwortungsvoll zu nutzen. Das gelte ebenso für den Umgang mit künstlicher Intelligenz. Schulen brauchten dafür klare Regeln, aber auch Lehrkräfte, die in diesen Themen geschult sind und mit Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe darüber sprechen können.

Die Daten aus Schuleingangsuntersuchungen sollten darüber hinaus besser genutzt werden, etwa durch eine regelhafte Einbindung in die elektronische Patientenakte, damit Ärztinnen und Ärzte sowie der öffentliche Gesundheitsdienst darauf aufbauen könnten, so der Dachverband.

Deutschland investiert im internationalen Vergleich

Wichtig sei eine bessere Finanzierung. „Deutschland investiert im internationalen Vergleich zu wenig in Gesundheit an Schulen. Dabei zeigen Berechnungen, dass Investitionen in die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen einen hohen gesellschaftlichen Nutzen haben, besonders bei sozial benachteiligten Gruppen“, berichtete Vorständin Klemm. Sie forderte deshalb einen „Pakt Gesunde Schule“ – analog zum Digitalpakt. Zusätzlich sollten auch EU-Fördermittel stärker genutzt werden, unterstützt durch eine zentrale Anlaufstelle auf Bundesebene.

Das Brandenburger Landesprogramm „Gute gesunde Schule“ stellte Gerald Müller vom BKK Landesverband Mitte vor. „Das Programm soll Schulen dabei unterstützen, Gesundheitsförderung systematisch in ihre Entwicklung zu integrieren.“ Das Land finanziere die Koordination und Infrastruktur, während Kooperationspartner wie Krankenkassen, Unfallkasse, Landessportbund und das Landesinstitut für Lehrkräftebildung konkrete Maßnahmen einbrächten. Maßgeblich sei ein langfristiger Schulentwicklungsprozess, bei dem Schulen ihren Bedarf analysieren, Ziele festlegen, Maßnahmen umsetzen und regelmäßig überprüfen.

„In der Praxis zeigt sich jedoch, dass viele Schulen mit den Anforderungen überfordert sind und die notwendige Prozessbegleitung oft nicht ausreichend funktioniert“, konstatierte Müller. Häufig würden deshalb eher einzelne Projekte oder Gesundheitstage umgesetzt statt einer nachhaltigen Gesamtentwicklung. Nötig seien deshalb mehr Ressourcen, bessere Begleitung und eine engere Abstimmung zwischen Schule, Bildungs- und Gesundheitsressort.

„Für viele Schülerinnen und Schüler ist Schule derzeit eher ein Belastungs- oder Risikofaktor. Sie muss zu einem Schutzraum werden“, sagte Amy Kirchhoff, Sprecherin der Bundesschülerinnenkonferenz. „Denn vielen jungen Menschen geht es derzeit nicht gut, man kann von einer Krise der mentalen Gesundheit sprechen.“

Als Grund dafür nannte sie den Klimawandel, Krieg in Europa und weltweit, aber auch einen teuren Wohnungsmarkt, eine unsichere Arbeitswelt und die Frage, welchen Wert ein Ausbildungsabschluss künftig noch haben wird. „Hinzu kommt, dass junge Menschen durch soziale Medien und Nachrichten ständig mit diesen Informationen konfrontiert sind. All das belastet sie“, so Kirchhoff.

An den Schulen brauche es vor allem „eine grundlegende Haltungsänderung, sie muss sich als Schutzraum verstehen, und Lehrkräfte müssen ihre Mitverantwortung dafür sehen“. Dafür sei mehr Geld für Personal, Weiterbildung, Sensibilisierung und die Vermittlung von Kompetenzen erforderlich.

„Wir müssen darüber sprechen, wie Gesundheitsthemen stärker in die Ausbildung der Lehrkräfte einfließen können“, betonte Andreas Philippi, Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) und Gesundheitsminister von Niedersachsen. Gesundheit solle allerdings nicht nur ein Unterrichtsfach sein, und die Förderung nicht erst in der Schule beginnen, sondern in Krippen und Kindergärten. „Gerade sozial benachteiligte Kinder haben schlechtere Startchancen, das ist eine Frage sozialer Gerechtigkeit“, sagte er.

Philippi verwies auf ein umfassendes Verständnis von Prävention: Diese müsse in allen Politikfeldern mitgedacht werden, im Sinne von „Health in All Policies“. Ein Problem sei jedoch, dass „Prävention und Politik nicht immer gut zusammenpassen“.

Präventionsmaßnahmen brauchten oft viele Jahre bis ihre Wirkung sichtbar werde – politische Legislaturperioden seien viel kürzer. „Wir müssen wir hier langfristiger denken“, forderte der GMK-Vorsitzende.

PB

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