Gesundheitsorganisationen fordern mehr Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern

Berlin – Die Bundesärztekammer (BÄK) und die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (Klug) rufen die Bundesregierung dazu auf, sich stärker dafür einzusetzen, Deutschland unabhängiger von Kohle, Öl und Gas zu machen.
„Gesundheit und Wohlergehen hängen wesentlich vom Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ab. Ihr Schutz ist deshalb immer auch Gesundheitsschutz“, sagte BÄK-Präsident Klaus Reinhardt im Vorfeld der ersten Conference on Transitioning Away from Fossil Fuels am 28. und 29. April im kolumbianischen Santa Marta.
Es sei eine ärztliche Pflicht, auf diese Zusammenhänge hinzuweisen und eine konsequente Transformation einzufordern – im Gesundheitswesen und im politischen Raum, so Reinhardt. Der BÄK-Präsident verwies auf eine Klarstellung der Zentralen Ethikkommission bei der BÄK (ZEKO). Sie hatte im Februar 2026 betont, dass der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ein Bestandteil ärztlicher Berufspflichten ist.
Hitzebedingte Erkrankungen und Todesfälle sowie klimabedingte Infektionskrankheiten nehmen laut BÄK und Klug zu. Ältere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere, Kinder und sozial benachteiligte Gruppen seien besonders gefährdet.
„Wir sprechen nicht über eine abstrakte Zukunftsgefahr, sondern über gegenwärtige, messbare Schäden an der Gesundheit der Menschen in Deutschland und Europa“, warnte Christian Schulz, Geschäftsführer von Klug. „Jede Verzögerung der Energiewende kostet uns Geld und Gesundheit“, betonte er.
Die Konferenz in Santa Marta ist BÄK und Klug zufolge das bislang deutlichste diplomatische Signal für einen koordinierten, gerechten und finanzierten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Grundlage ist die Initiative für einen Nichtverbreitungsvertrag für fossile Brennstoffe („Fossil Fuel Non-Proliferation Treaty“).
Weltweit unterstützen rund 3.000 Gesundheitsinstitutionen die Initiative, darunter die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltärztebund. In Deutschland wurde sie 2023 von Deutschem Pflegerat, der BÄK und Klug auf den Weg gebracht. Mehr als 50 Akteure des Gesundheitswesens unterstützen die Initiative, darunter Landesärztekammern, Fachgesellschaften und Berufsverbände.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit:
1