Wie Ärztinnen und Ärzte zu umweltfreundlichem Gesundheitswesen beitragen können

Berlin – Der Schutz ökologischer Voraussetzungen von Gesundheit ist ausdrücklich Teil ärztlicher Berufspflichten. Das hält die Zentrale Ethikkommission (ZEKO) bei der Bundesärztekammer (BÄK) in ihrer Stellungnahme „Planetary Health und ärztliche Verantwortung“ fest, die heute in Berlin vorgestellt und im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht worden ist.
Trotz ausgeprägten Problembewusstseins sei das vorhandene Handlungspotenzial nicht ausgeschöpft, heißt es darin. Dabei könnten viele kleine, fachlich begründete Entscheidungen im ärztlichen Alltag gemeinsam sichtbare Effekte entfalten. Die Stellungnahme richtet sich daneben an Selbstverwaltung und Politik.
Bei all diesen Überlegungen bleibe das Wohl von Patientinnen und Patienten weiterhin vorrangig, betonte die ZEKO-Vorsitzende Eva Winkler. Planetary Health solle nicht etwa als weitere Zusatzaufgabe für Ärztinnen und Ärzte verstanden werden. Es betreffe vielmehr die Gesundheitsgrundlagen so essenziell, dass es sich um ein originär ärztliches Thema handle. Es solle selbstverständlich mitgedacht werden, gab Dirk Lanzerath, Federführendes Mitglied der ZEKO, als Ziel aus. Indem man Patienten dabei mitnehme, könne man zu einem Kulturwandel beitragen.
Die Stellungnahme enthält mehrere Handlungsfelder, in denen Ärzte konkret Einfluss nehmen könnten, um die Belastung natürlicher Lebensgrundlagen durch Maßnahmen in der Versorgung zu verringern. Beispielsweise könnten Klimaschutzaspekte und gesunde Lebensführung in der Kommunikation mit Patienten verbunden werden.
Zentrale Felder, in denen Gesundheitsförderung und Klimaschutz von den gleichen Maßnahmen profitieren, seien Mobilität, Bewegung und Ernährung. Winkler nannte als Beispiele etwa Rad- statt Autofahren und weniger Fleischkonsum.
Aus seiner Erfahrung gebe es bei Patienten eine Offenheit für das Thema, sagte BÄK-Präsident Klaus Reinhardt. Es sei aber immer eine Frage der Vermittlung. Es dürfe in jedem Fall nicht fälschlicherweise der Eindruck entstehen, dass auf sinnvolle, nötige Behandlungen wegen Klimaschutzbedenken verzichtet werde. Wenn aber zum Beispiel bei Arzneimitteln auch gleichwertige, nachhaltigere Optionen verfügbar seien, solle darauf hingewiesen werden.
Auch können Krankenhäuser und Praxen günstiger für Gesundheit und Umwelt gestaltet werden: als „grüne Krankenhäuser“ und „grüne Praxen“, heißt es in der Stellungnahme. Auch wenn Ärzte in Kliniken in der Regel nicht die alleinigen Entscheidungsträger seien, „sollen sie sich bei der Planung [...] für umweltfreundliche Ziele einsetzen, ökologische und nachhaltige Betriebsmodelle priorisieren und somit einen entscheidenden Beitrag zu einem umweltfreundlichen Arbeits- und Behandlungsort leisten“.
Es gibt mehrere Anlässe, aus denen die ZEKO die Stellungnahme verfasste, wie Winkler schilderte: Die ökologischen Krisen seien längst auch in der medizinischen Realität in Deutschland angekommen, sagte sie mit Blick auf Hitzewellen, Allergien, Luftverschmutzung und psychische Beeinträchtigungen. Hinzu komme, dass das Gesundheitssystem durch Treibhausgasemissionen selbst zu gesundheitlichen Risiken beitrage.
Hintergrund der Stellungnahme sei nicht nur der Klimawandel, erläuterte Lanzerath. Er nannte etwa den Verlust von Biodiversität als oftmals vernachlässigtes Thema: Dadurch könnten auch mögliche therapeutische Optionen verlorengehen, die noch gar nicht bekannt sind.
Der Schutz natürlicher Lebensgrundlagen sei immer auch Gesundheitsschutz, betonte BÄK-Präsident Reinhardt. Die ZEKO unterstreiche anschaulich, „dass es unsere ärztliche Pflicht ist, auf diese Zusammenhänge aufmerksam zu machen und uns mit Nachdruck für eine Transformation hin zu einem nachhaltigen Gesundheitswesen einzusetzen.“
Das Thema Klimawandel und Gesundheit spiele in der derzeitigen öffentlichen Debatte angesichts verschiedener Krisen zwar eine untergeordnete Rolle. Zu einem späteren Zeitpunkt drohten dann jedoch bestimmte Erkrankungen, ein Rückgang der Lebenserwartung und wirtschaftliche Belastungen. „Insofern wären, glaube ich, alle, die politisch handeln, gut beraten, es zumindest neben die anderen Ziele zu stellen“, so Reinhardt.
Auch Winkler bekräftigte: Was man jetzt nicht investiere, bedeute später höhere Kosten. Als Beispiel nannte sie Krankenhausbauten, die etwa wegen Hitze ertüchtigt werden müssten.
Die BÄK und Landesärztekammern hätten sich zur Klimaneutralität bis 2030 verpflichtet, hielt Reinhardt fest – und er erinnerte zudem an Aktivitäten wie den jährlichen Hitzeaktionstag.
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