Gewalt zwingt Ärzte ohne Grenzen zu Klinikschließung in Haiti

Port-au-Prince – Das Hilfswerk Ärzte ohne Grenzen (MSF) muss wegen schwerer Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen in der Hauptstadt Port-au-Prince seine Arbeit im Stadtteil Cité Soleil bis auf Weiteres einstellen.
Mehr als 800 Menschen hatten in der Klinik von Ärzte ohne Grenzen Zuflucht gesucht. „In nur zwölf Stunden haben unsere Teams mehr als 40 Menschen mit Schussverletzungen behandelt“, sagte Landeskoordinatorin Davina Hayles in Haiti.
Die Sicherheitslage habe sich aber so verschlechtert, dass eine Weiterarbeit in der Klinik nicht vertretbar sei. Ein Querschläger verletzte sogar einen Sicherheitsmitarbeiter auf dem Klinikgelände. Sein Zustand sei inzwischen stabil, die Situation ist laut Ärzte ohne Grenzen aber untragbar geworden.
„Wir können nicht unter Beschuss arbeiten. Ein Krankenhaus, in dem das Personal nicht sicher ist, kann nicht funktionieren“, so Hayles. Das Hilfswerk appelliert an alle Konfliktparteien, die Sicherheit von medizinischem Personal und der Zivilbevölkerung zu gewährleisten.
Die Teams von Ärzte ohne Grenzen hatten in dem Krankenhaus auch Patienten aus einer benachbarten Klinik versorgt, darunter Schwangere, die in der Nacht von Sonntag auf Montag entbunden hatten. In dem Gebiet, in dem die Kämpfe stattfinden, ist derzeit laut dem Hilfswerk keine Klinik mehr geöffnet.
In Haiti sind laut den Vereinten Nationen mehr als eine Million Menschen auf der Flucht. Die Hauptstadt Port-au-Prince befindet sich zu 85 Prozent unter Kontrolle bewaffneter Gruppen.
Hunderttausende leben nach Angaben der Vereinten Nationen in zahlreichen Vertriebenencamps, wo unter anderem der Zugang zu sauberem Wasser extrem eingeschränkt ist oder ganz fehlt. 60 bis 80 Prozent aller Gesundheitseinrichtungen in Port-au-Prince sind laut Ärzte ohne Grenzen geschlossen oder nicht funktionsfähig.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: