Gewerkschafter beklagen „kalten Stellenabbau“ am Uniklinikum

Gießen – Betriebsräte des privatisierten Universitätsklinikums Gießen/Marburg und die Gewerkschaft Verdi kämpfen gegen den schleichenden Stellenabbau am mittelhessischen Großkrankenhaus. Trotz breiter Proteste würden befristete und frei werdende Stellen nicht wieder besetzt, kritisierte die Betriebsratsvorsitzende Bettina Böttcher am Dienstag in Gießen. „Da findet ein kalter Stellenabbau statt.“
Dabei gebe es „eine zum Teil dramatische Unterbesetzung“ in verschiedenen Arbeitsbereichen, sagte sie. Angesichts der steigenden Patientenzahlen und der immer schwereren Fälle seien mehr Mitarbeiter nötig: „Die Arbeitsbelastung ist so nicht tragbar.“
Gewerkschafter und Betriebsräte bezweifeln ausdrücklich die von dem privaten Krankenhausbetreiber Rhön genannten Mitarbeiterzahlen. Nach Darstellung der Geschäftsleitung wurden in den vergangenen drei Jahren 420 Vollzeitstellen im patientennahen Bereich neu geschaffen, davon 190 in der Pflege. „Den Betriebsräten liegen keine konkreten Zahlen über besetzte Stellen vor“, kritisierte dagegen ver.di. Die vielen Überstunden bewiesen gerade keinen Stellenaufbau.
„Unmöglich, alle Investitionen zu finanzieren“
Böttcher bedauerte das Ausscheiden der Geschäftsführerinnen Irmgard Stippler und Doris Benz, für die nun Martin Menger nachfolgt. „Man kann nicht ständig am Personalkarussell drehen“, kritisierte Böttcher. Die Unternehmenskultur müsse sich ändern. Betriebsräte und Gewerkschaft kritisieren auch das Land Hessen: „Wir halten es für unmöglich, aus den Erlösen für die Krankenversorgung alle Investitionen zu finanzieren.“
Gemeinsam mit dem Betriebsratsvorsitzenden am Standort Gießen, Klaus Hanschur, hatte Böttcher vor rund zwei Monaten öffentlich gemacht, dass der private Krankenhausbetreiber Rhön bis zu 500 Stellen abbauen wolle. Die Zahl hat Rhön dementiert. Trotzdem steht das Universitätsklinikum seitdem im Kreuzfeuer der Kritik. Mit mehr als 2.000 Teilnehmern erlebte Marburg eine der größten Demonstrationen in seiner Geschichte. Selbst die Klinikdirektoren schrieben zuletzt Protestbriefe.
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