Vermischtes

Glyphosat-Klagen: US-Gericht billigt Milliardenvergleich

  • Donnerstag, 5. März 2026
/picture alliance, Panama Pictures, Christoph Hardt
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Leverkusen – Ein US-Gericht hat einen Sammelvergleich gebilligt, mit dem die Bayer-Tochter Monsanto Klagen um das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat beilegen will. Bayer begrüßte die vorläufige Genehmigung durch das Gericht im US-Bundesstaat Missouri. „Das ist der erste wichtige Schritt für die Umsetzung des Sammelvergleichs“, erklärte das Unternehmen in Leverkusen.

In einem nächsten Schritt sollen nun mögliche Teilnehmer über den Vergleich informiert werden. Sie hätten dann 90 Tage Zeit, die Vereinbarung abzulehnen oder mögliche Einwände bei Gericht vorzubringen, hieß es in der Erklärung weiter.

Bayer hatte die Einigung Mitte Februar verkündet. Im Rahmen des Sammelvergleichs will Monsanto über bis zu 21 Jahre insgesamt maximal 7,25 Milliarden US-Dollar (6,13 Milliarden Euro) auszahlen. Dafür sollten „sowohl anhängige als auch mögliche künftige Klagen“ wegen des möglichen Krebsrisikos durch Glyphosat beigelegt werden.

In den USA sind mehrere zehntausend Klagen gegen Monsanto wegen mutmaßlicher Gesundheitsschäden anhängig. Das Unternehmen verspricht sich durch den nun mit den Klägern vereinbarten Vergleich eine Entlastung und mehr Planungssicherheit – ein „Schuldeingeständnis“ sei damit nicht verbunden, hatte Bayer betont.

Nach Bekanntwerden des Vergleichs hatte US-Präsident Donald Trump Glyphosat als unverzichtbar für die Ernährungssicherheit der USA eingestuft. Der Verordnung zufolge könnte die US-Regierung die Produktion von Glyphosat künftig anordnen. Im Gegenzug wird dem Hersteller besonderer Schutz zugesagt.

Unterdessen ist der Verlust wegen Glyphosat-Klagen gegen seine US-Tochter Monsanto bei Bayer deutlich gewachsen. Wie der Hersteller des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup in Leverkusen mitteilte, lag der Verlust 2025 bei rund 3,6 Milliarden Euro und damit rund 1,1 Milliarden Euro höher als im Vorjahr. Im Februar hatte Bayer für den Sammelvergleich seine Rückstellungen um vier Milliarden Euro erhöht.

Operativ lief es im vergangenen Jahr alles in allem mittelmäßig. Der Umsatz des Konzerns, der neben Saatgut und Unkrautvernichtern auch Medikamente verkauft, sank um 2,2 Prozent auf 45,6 Milliarden Euro. Währungsbereinigt, also ohne die Kursverluste des Dollars, wäre es ein Plus von 1,1 Prozent gewesen.

An der Börse sorgt das Thema Glyphosat weiter für Bauchschmerzen. Ab November ging es zwar deutlich bergauf, nach der Bekanntgabe des Sammelvergleichs in den USA Mitte Februar sackte der Aktienkurs aber wieder ab.

Mit Sprüchen wie „Gesundheit für alle, Hunger für niemanden“ rührt Bayer-Chef Bill Anderson zwar die Werbetrommel für seine Medikamente und sein besonders resistentes Saatgut – doch viele Finanzanalysten und Anleger denken bei Bayer reflexhaft an den schier endlosen Glyphosat-Streit.

Personalabbau schreitet voran

In der Bayer-Belegschaft hat die Krise der vergangenen Jahre Spuren hinterlassen. Zum Jahreswechsel hatte der Konzern rund 88.000 Beschäftigte und damit 5.000 weniger als ein Jahr zuvor. Als die Einführung einer neuen Organisationsstruktur samt Stellenabbau im Jahr 2023 begann, waren es 100.000 Beschäftigte.

In diesem Jahr soll die neue Organisationsstruktur zu Einsparungen von zwei Milliarden Euro führen, dies im Vergleich zum Jahr 2023. Man habe Bürokratie abgebaut, sagte die Bayer-Personalchefin Heike Prinz. „Bayer ist insgesamt spürbar schlanker, flexibler und effektiver geworden.“ Das neue Organisationsmodell, mit dem Hierarchien abgebaut werden, soll die Produktivität des Konzerns deutlich steigern.

Dieses Jahr rechnet Bayer mit einer stabilen Geschäftsentwicklung. Bereinigt um Währungseffekte – also auf Basis der monatlichen Durchschnittskurse des Jahres 2025 – sieht Bayer den Umsatz 2026 bei 45 bis 47 Milliarden Euro und das operative Ergebnis bei 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro – die letztjährigen Werte liegen im Zielkorridor für dieses Jahr.

Gravierende Folgen des Iran-Kriegs auf sein Geschäft muss Bayer nicht fürchten. „Wir sind nicht stark abhängig von Drehkreuzen im Mittleren Osten für unsere Lieferketten, wir sehen also keine Lieferunterbrechungen auf uns zukommen“, sagte Anderson.

afp/dpa

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