Große Koalition schiebt Pläne zur nationalen Diabetesstrategie vor sich her

Berlin – Eigentlich wollte der Bundestag am kommenden Donnerstag über eine nationale Diabetesstrategie für Deutschland beraten. Auf einen Antrag hatten sich dem Vernehmen nach die Regierungsfraktionen von Union und SPD bereits weitgehend verständigt. Doch nun ist das Thema abgesetzt.
Die Unionsfraktion bestätigte dem Deutschen Ärzteblatt, dass man den Punkt von der Tagesordnung genommen habe. Grund sei noch weiterer Gesprächsbefarf zwischen Union und SPD an zwei Punkten, wie es hieß. Zu den Details wollte man sich nicht äußern.
Anfang April hatte Dietrich Monstadt, Berichterstatter für Adipositas und Diabetes der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, noch davon gesprochen, dass eine Strategie noch vor der Sommerpause vorliegen könne.
Die Grünen im Bundestag sind verärgert. „Die Große Koalition spielt fahrlässig mit der Gesundheit der Menschen“, sagte Kirsten Kappert-Gonther, Sprecherin für Gesundheitsförderung, sowie Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Pflegepolitik. Sie betonten, es gebe in Deutschland etwa 500.000 Neuerkrankungen an Diabetes-Typ-2. 60 bis 80 Prozent davon seien laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) vermeidbar.
Maßgeblich wäre ein abgestimmter nationaler Rahmenplan, der zuverlässige Strukturen und gemeinsame Qualitätsstandards bei der Versorgung von Diabetikern schaffe, erklärten Schulz-Asche und Kappert-Gonther. Auch die Zahl der Neuerkrankungen und das Nachlassen der Erkrankung ließen sich durch gesundheitsfördernde Maßnahmen und Lebensstiländerung entscheidend steuern.
Die Grünen weisen darauf hin, dass die WHO seit langem nationale Rahmenpläne zur Bekämpfung und Verhinderung von Diabetes empfiehlt. Die überwiegende Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten sei dieser Empfehlung bereits nachgekommen.
„Statt endlich zu handeln, lässt die Bundesregierung die Betroffenen weiter im Regen stehen. Die Bundesregierung muss endlich einen ressortübergreifenden Ansatz zur Bekämpfung von Diabetes vorlegen und gesundheitsfördernde Rahmenbedingungen in den Alltagswelten der Menschen schaffen“, forderten Kappert-Gonther und Schulz-Asche.
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