Hamburger Erklärung fordert bessere mehrsprachige Gesundheitsversorgung

Hamburg – Gesundheitseinrichtungen und Politik sollten mehrsprachige Kommunikation stärker als festen Bestandteil der Versorgung verankern. Das fordert die „Hamburger Erklärung zur mehrsprachigen Gesundheitsversorgung“.
Erstellt wurde sie im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts „MiM2M“ zur Mehrsprachigkeit in der psychischen Gesundheitsversorgung von Migrantinnen und Migranten. Beteiligt waren Forschende aus Deutschland, den Niederlanden, Rumänien und Südafrika. Die Volkswagen Stiftung hat das Projekt gefördert.
Die Erklärung spricht sich dafür aus, Sprachunterstützung nicht als Ausnahme, sondern als Teil regulärer Versorgungsstrukturen zu behandeln. Sprachbarrieren seien eine klinische, ethische und organisatorische Herausforderung und könnten unter anderem mit schlechterem Zugang zur Versorgung, geringerer Therapieadhärenz, Kommunikationsfehlern, Fehldiagnosen und vermeidbaren unerwünschten Ereignissen einhergehen.
Zur Überwindung von Sprachbarrieren nennt das Papier fünf zentrale Ansätze: angepasste direkte Kommunikation zwischen Fachkräften und Patientinnen und Patienten, technologische Hilfsmittel, mehrsprachige Informationsmaterialien, mehrsprachiges Fachpersonal sowie professionelle und nicht professionelle Dolmetschende.
Für Einrichtungen empfiehlt die Erklärung unter anderem, Sprachpräferenzen in der Patientendokumentation zu erfassen, mehrsprachige Aspekte in Qualitätsberichte aufzunehmen und wichtige Unterlagen professionell in häufig benötigte Sprachen übersetzen zu lassen. Beschäftigte sollten regelmäßig geschult werden. Kinder sollten nicht als Dolmetschende eingesetzt werden.
An gesundheitspolitische Entscheidungsträger richtet die Erklärung die Forderung, rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen für mehrsprachige Gesundheitsleistungen zu schaffen. Zudem sollten ausreichende Mittel für bedarfsgerechte professionelle Dolmetscherdienste und entsprechende Ressourcen für Gesundheitseinrichtungen bereitgestellt werden. Auch kostenlose Qualifizierungsmöglichkeiten für angehende professionelle Dolmetschende sollten laut der Arbeitsgruppe gefördert werden.
Mehrsprachigkeit soll nach den Empfehlungen außerdem stärker in Aus- und Weiterbildung sowie Forschung berücksichtigt werden. Sie sollte Bestandteil der Pflichtausbildung und beruflichen Weiterbildung in Gesundheitsberufen sein.
Unterstützt wird die Hamburger Erklärung unter anderem von der Bundespsychotherapeutenkammer, dem Aktionsbündnis Patientensicherheit, dem Deutschen Roten Kreuz, Save the Children Deutschland und dem Bundesverband der Netzwerke von Migrantenorganisationen.
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