Hannover: Netzwerk „TelePIN“ ermöglicht komplexe Fernbehandlungen von Kindern

Hannover – Landesweiten Versorgungsengpässen bei der Intensivbehandlung von Kindern möchte eine Team der Kinderklinik in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) entgegenwirken. Dazu hat es das telemedizinische Netzwerk „Tele-PIN“ gegründet, das jetzt erweitert wird.
„Es freut mich sehr, dass es gelungen ist, erstmalig in der modernen Medizingeschichte unseres Landes ein derart umfassendes Telemedizinprojekt umzusetzen. Insbesondere in Anbetracht der anstehenden Krankenhausreform wird dieses Projekt die Effektivität der zukünftigen Kliniklandschaft wesentlich erhöhen“, sagte der Sozialminister des Landes, Andreas Philippi (SPD).
In Niedersachsen ist die Versorgungssituation regional teils sehr angespannt. „Von den insgesamt 29 Kinderkliniken haben aktuell nur vier eine spezielle Station für pädiatrische Intensivmedizin. Und in diesen Häusern können nur die Hälfte aller Kinderintensivbetten betrieben werden, weil es landesweit an Pflegefachpersonal, Ärztinnen und Ärzten fehlt“, erklärte Michael Sasse, Oberarzt der Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin und Leiter von TelePIN.
Um diese Lücken wenigstens teilweise schließen zu können, initiierten er und sein Team der Kinderintensivstation 67 das neue telemedizinische Instrument. Anfang 2025 ging TelePIN in die Pilotphase. Derzeit sind sieben Kinderkliniken in Niedersachsen in das System integriert – jetzt ist die Finanzierung von weiteren 15 Kinderkliniken in Niedersachsen und drei Kliniken in Bremen gesichert.
Über das System können Daten, Bilder und Videos in Echtzeit zwischen den teilnehmenden Kinderkliniken ausgetauscht werden. Die Untersuchung oder die Behandlung des Kindes findet gemeinsam live statt.
Zentrale in der MHH-Kinderklinik ist das sogenannte TelePIN-Cockpit. In diesem speziell eingerichteten Raum befindet sich die Technik für die Live-Kommunikation mit den anderen Kinderkliniken, darunter sieben Bildschirme und ein mobiler Kameraroboter mit drei integrierten Kameras. „Die Technik ermöglicht uns, aus der Ferne bei Untersuchungen und Eingriffen sowohl bei der Durchführung als auch bei der Interpretation zu unterstützen“, erläutern Sasse und Henning Rathert, technischer Leiter des Projektes.
Das System ist laut der Klinik datenschutzkonform und eignet sich besonders gut für die Akut- und Notfallversorgung in der pädiatrischen Intensivmedizin. Ziel sei es, langfristig alle Kinderkliniken in Niedersachsen und Bremen, den angrenzenden Regionen benachbarter Bundesländer sowie die Rettungsdienste an TelePIN anzuschließen.
„Dadurch reduzieren wir die Zahl der Verlegungen in andere Kinderkliniken und können den Personalmangel abfedern“, erläutert Philipp Beerbaum, Direktor der MHH-Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin.
Das Projekt wird nach den Plänen der Landesregierung aus den Mitteln des Strukturfonds II mit rund sechs Millionen Euro gefördert, die jeweils zur Hälfte von Bund und Land getragen werden.
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