Harninkontinenz: Suburethraler Bänder und künstliche Schließmuskel statt Nadelsuspension

Berlin – Noch vor wenigen Jahren wurde bei einer Harninkontinenz aufwendig operiert, wenn konservative Behandlungen nicht mehr ausreichten. Um die Belastungsinkontinenz zu beheben, kann bei Frauen etwa der Blasenhals durch eine Schnittoperation verlagert werden. Andere Möglichkeiten sind die Nadelsuspension oder eine Pubovaginalschlinge aus körpereigenem Gewebe. Heute stehen meist minimalinvasive Eingriffe als Alternative zur Auswahl. Die Grundlagen dieser Therapie wurden bereits vor 25 Jahren in der Integraltheorie nach Petros beschrieben – der Wiederherstellung der Blasenfunktion durch die Rekonstruktion des lockeren Halteapparates.
Alternativen zur Nadelsuspension und Pubovaginalschlinge
Bewährt hat sich unter anderem der Einsatz suburethraler Bänder, etwa aus Polypropylen. Nur wenn eine ausreichende Spannung im Beckenboden vorhanden ist, kann er richtig funktionieren. „Die synthetischen Bänder, die mithilfe eines kleinen Schnittes beziehungsweise Einstichs in den Beckenboden eingesetzt werden, ersetzen die erschlafften Halte- und Stützbänder des Beckenbodens und stellen so die verlorengegangene Elastizität und Spannkraft wieder her“, erklärt Alfons Gunnemann, der auf dem 69. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Dresden zu diesem Thema referieren und das Inkontinenzforum begleiten wird. Ein Vorteil sei die lange Haltbarkeit und gute Verträglichkeit der Bänder. Allerdings ist zu beachten, dass mögliche postoperative Materialveränderungen, Gewebereaktionen, die eingesetzte Implantationstechnik sowie patienteneigene Risikofaktoren die Ergebnisse beeinflussen können.
Neben dem Einbringen suburethraler Bänder kann den Betroffenen auch ein künstlicher Blasenschließmuskel helfen. Dieser kommt hauptsächlich bei Männern zum Einsatz. Hierbei kann der Mann mithilfe einer in den Hodensack eingebrachten Pumpe eine um die Harnröhre gelegte Manschette öffnen und schließen und so den Harnabfluss kontrollieren. Der künstliche Schließmuskel mache jeden Inkontinenten wieder trocken, ist Gunnemann überzeugt. „Er ist vor allem für Männer interessant, die am Tag mehr als 500 Milliliter Urin verlieren“, erklärt der Urologe vom Klinikum Lippe. Patienten müssten aufgrund der Komplexität dieser Maßnahme auch mit Komplikationen rechnen. „Akzeptiert der Körper den künstlichen Schließmuskel, kann dieser durchaus lebenslang im Einsatz bleiben. Regelmäßige Kontrollen sind allerdings Pflicht. Das gilt auch für die suburethralen Bänder.“
Der 69. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie findet vom 20. bis 23. September 2017 in Dresden statt. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten gehören neben der Inkontinenz unter anderem auch die aktuellen Entwicklungen zum PSA-Screening und zum Active Surveillance beim Prostatakarzinom sowie Neuerungen bezüglich Diagnostik und Therapie aller urologischer Tumoren.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: