Ärzteschaft

Hausärzte warnen vor Vernachlässigung von Grippeimpfungen

  • Dienstag, 14. September 2021
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Berlin – Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, hat mehr öffentliche Unter­stützung für Grippeimpfungen gefordert. „Das Wichtigste für den zweiten Coronaherbst wird sein, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen, und das nicht nur gegen das Coronavirus, sondern auch gegen die Grippe“, sagte er der Rheinischen Post heute.

Die Influenzaimpfung dürfe keineswegs vergessen werden, auch sie trage entscheidend zum Schutz der Bevölkerung wie auch zur Entlastung des Gesundheitswesens bei. „Es muss daher alles daran gesetzt werden, dass auch hier den Praxen logistisch wie organisatorisch keine Steine in den Weg gelegt werden.“

Es sei wünschenswert, dass die Corona- wie die Influenzaimpfung möglichst zeitgleich verabreicht werden könnten, sagte der Hausärztechef. „Auf regionale Lieferengpässe, wie sie in der Vergangenheit oft der Fall waren, können wir zudem gut und gerne verzichten“, so Weigeldt.

Daneben kritisierte er den eingeschränkten Blick auf Coronawarnwerte. „Mich überrascht der noch immer anhaltende Fokus auf täglich aktualisierte Inzidenz- oder Hospitalisierungszahlen. Kaum eine Arztpraxis würde Entscheidungen je nach Impfquote oder Inzidenzwert jeden Tag neu austarieren – auch, weil diese leider weiterhin sehr ungenau sind und wenig über die individuelle Situation vor Ort aussagen.“

Gleichzeitige Impfungen gegen die Grippe und Corona sind laut Einschätzung des Chefs der Ständigen Impfkommission (STIKO) unbedenklich. Es gebe keine Hinweise, dass einer der beiden Impfstoffe dann nicht mehr wirke, sagte der STIKO-Vorsitzende Thomas Mertens bei „MDR Aktuell“. „Insofern ist diese Vorsichtsmaßnahme des Auseinanderziehens der beiden Impfungen nicht mehr nötig.“

Mertens warb dafür, dass sich gerade Menschen aus Risikogruppen gegen die Grippe impfen lassen. Wenn es in diesem Jahr weniger Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus wie Maskenpflicht und Ab­standhalten gebe, seien die Menschen besonders gefährdet. „Insofern ist eine Grippeimpfung sinnvoll für diese erwähnten Risikogruppen.“

Der STIKO-Chef reagierte auch auf Befürchtungen, dass der Grippeimpfstoff in diesem Jahr einen gerin­geren Schutz bieten könnte, weil sich in der vergangenen Saison weniger Menschen mit Grippe ansteck­ten und Daten fehlen könnten. Diese Angst halte er für unbegründet, sagte Mertens. Auf der ganzen Welt untersuchten Laboratorien das gesamte Jahr Influenzaviren. Das sei die Grundlage für die Zusammen­setzung der Impfstoffe.

dpa

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