Honorarverhandlungen: Gassen macht sich für höheren Orientierungswert stark

Berlin – Die Vorbereitungen für die diesjährigen Honorarverhandlungen von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband Mitte August laufen auf Hochtouren. Dabei gehe es primär darum, die gestiegenen Praxiskosten durch einen höheren Orientierungswert abzubilden, sagte KBV-Chef Andreas Gassen drei Wochen vor dem Start der Verhandlungen in einem KV-On-Interview.
Zugleich erneuerte der KBV-Vorstandsvorsitzende seine Forderung nach einer teilweisen Aufhebung der Honorarbudgets. Die Forderung sei unverändert richtig und wichtig, betonte er unter Hinweis auf das geplante Terminservice- und Versorgungsgesetz. Den Ärzten bei einer bestehenden Budgetierung immer mehr abverlangen zu wollen, sei „völlig abwegig“.
Gassen erwartet „schwierige und zähe“ Verhandlungen. „Bei den Kassen hat man manchmal den Eindruck, die sind in der seltsamen Welt gefangen, dass bei Ärzten alles billiger wird, wenn überall sonst alles teurer wird“, kritisierte er. Insofern gelte es aufzuzeigen, dass Kostensteigerungen auch in Arztpraxen stattfinden – etwa durch die Tarifabschlüsse der Medizinischen Fachangestellten.
Erst in der vergangenen Woche hatte der GKV-Spitzenverband es abgelehnt, zusätzliches Geld für offene Sprechstunden – wie von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt – bereitzustellen. Dies dürfe den Beitragszahlern nicht zusätzlich in Rechnung gestellt werden, hieß es.
Im Rahmen der jährlichen Honorarverhandlungen von KBV und GKV wird definiert, wie viel Geld die Krankenkassen im neuen Jahr für die ambulante Versorgung ihrer Versicherten bereitstellen. Ein entscheidender Punkt ist der Orientierungswert, der maßgeblich für die Preise ärztlicher und psychotherapeutischer Leistungen ist und die Kostenentwicklung abbildet.
Zudem spielt das Klassifikationsmodell bei den Honorarverhandlungen eine wichtige Rolle. Denn die darüber ermittelten regionalen Veränderungsraten der Morbidität und Demografie fließen ebenfalls in die Verhandlungen ein.
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