Politik

Instrumentenkoffer für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege

  • Mittwoch, 17. Oktober 2018
Andreas Westerfellhaus /dpa
Andreas Westerfellhaus /dpa

Berlin – Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, will kleine und mittelständische Pflegeeinrichtungen dabei unterstützen, die Arbeitsbedingungen der bei ihnen arbeitenden Pflegekräfte zu verbessern. Denn vielfach gibt es dem Bevollmächtigten zufolge in den Einrichtungen zu wenig Wertschätzung und zu wenige Erholungsphasen für die Mitarbeiter.

„Viele von den Arbeitgebern sagen mir, dass sie ja gerne die Arbeitsbedingungen verbessern würden, dass sie aber froh seien, wenn sie am Ende eines Tages den Dienstplan fertigbekommen haben“, sagte Westerfellhaus heute auf einer Veranstaltung seines Hauses in Berlin.

Um diesen Einrichtungen zu helfen, will Westerfellhaus einen „Instrumentenkoffer“ entwickeln lassen, mit dem die Einrichtungen konkrete Hilfestellung erhalten, um bewährte Instrumente für gute Arbeitsbedingungen zu implementieren. Denn „es ist beeindruckend, dass Pflegeeinrichtungen, die ihre Mitarbeiter wertschätzen und ihnen gute Arbeitsbedingungen zur Verfügung stellen, kaum Probleme mit dem Fachkräftenachwuchs haben“, so Westerfellhaus.  

Den benannten „Instrumentenkoffer“ soll der Rechtswissenschaftler Thomas Klie von der Universität Rostock bis zum Beginn des kommenden Jahres ausarbeiten. Heute stellte er bereits 14 „Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Personalarbeit in der Langzeitpflege“ vor. Dazu zählen individuelle Arbeitszeitmodelle, die Verlässlichkeit des Dienstplans, die Möglichkeit, individuelle Qualifikationen auch im Alltag anwenden zu können und der Abbau von unnötiger Bürokratie.

Westerfellhaus befürwortet flächendeckende Tariflöhne

Westerfellhaus sprach sich auf der Veranstaltung auch für die Einführung von flächendeckenden Tariflöhnen aus. Dem Gegenargument der Arbeitgeber, der Markt werde es in einem Mangelberuf richten, erteilte er eine Absage. „Der Markt hat es in der Vergangenheit eben nicht gerichtet“, sagte Westerfellhaus.

Noch immer gebe es große Unterschiede in der Vergütung zwischen Kranken- und Altenpflegern sowie zwischen den Regionen. Er gab zu bedenken, dass häufig Frauen in der Altenpflege arbeiteten, die sich nicht einfach eine neue Arbeit in einer ganz anderen Region suchen könnten. „Und dort, wo sie leben, gibt es oft keinen anderen Arbeitgeber, zu dem sie wechseln könnten“, so der Pflegebevollmächtigte.

Er wies zudem darauf hin, dass zwar viele Menschen heute eine Ausbildung zum Alten- oder Krankenpfleger beginnen würden. Entsprechende Zahlen würden oft von den Arbeitgebern genannt. Nicht genannt werde hingegen, dass viele dieser Menschen ihre Ausbildung wegen der schlechten Arbeitsbedingungen wieder abbrächen oder nach der Ausbildung in einen anderen Job wechselten. Wichtig sei daher nicht, wie viele Menschen die Ausbildung beginnen, sondern wie viele nachher als Pflegekräfte arbeiten. Um das herauszufinden, brauche es mehr valide Daten.

Pflegepersonaluntergrenzen einmal pro Monat nachweisen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wies darauf hin, dass vorraussichtlich im November das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz vom Bundestag abschließend beraten werden soll. Unter anderem sollen damit Pflegepersonaluntergrenzen in bestimmten Bereichen, zum Beispiel in der Intensivmedizin, ab dem 1. Januar 2019 eingeführt werden.

In diesem Zusammenhang rief Spahn zu einer aufrichtigeren Debatte dieses Themas auf und nannte ein Beispiel: Auf einer öffentlichen Veranstaltung habe eine Pflegekraft vor kurzem gefordert, mehr Pflegepersonaluntergrenzen einzuführen. „Der ganze Saal hat geklatscht“, so der Minister. Kurz darauf habe ein Geschäftsführer eines Krankenhauses dagegengehalten, wenn die Grenzwerte eingeführt würden, müsse er Intensivpatienten abweisen. Das könne ja nicht gewollt sein. „Wieder hat der Saal geklatscht“, erklärte Spahn. Man könne aber nicht beiden Argumenten folgen.

„Wenn man Pflegepersonaluntergrenzen will, dann ist die logische Schlussfolgerung, dass am Ende weniger Patienten behandelt werden können. Der Teil gehört auch zur Wahrheit dazu“, betonte Spahn. Und er kritisierte, dass die Gewerkschaften einen tages- und schichtgenauen Nachweis wollten, dass die Untergrenzen eingehalten werden. „Darunter würden am meisten die Pflegekräfte selbst leiden“, meinte Spahn. „Weil sie dann jeden Tag in die Situation kommen können, Patienten abweisen zu müssen.“ Er sprach sich deshalb für einen Nachweis einmal im Monat aus.

fos

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