Ärzteschaft

Internisten warnen vor Verlagerung von Früherkennungsdiagnostik in Apotheken

  • Mittwoch, 18. März 2026
/picture alliance, dpa Themendienst, Benjamin Nolte
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Berlin – Scharfe Kritik an der Ankündigung von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), Apotheken künftig stärker in die Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einzubeziehen, kommt von internistischen Fachverbänden.

Es sei irreführend, Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettmessungen in Apotheken als „Herz-Check“ oder als substanzielle Früherkennung darzustellen, betonten die der Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten (BDI), der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) und der Berufsverband Niedergelassener Diabetologen (BVND).

„Gerade bei Hypertonie, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und kardiovaskulären Risiken geht es nicht um isolierte Einzelmessungen, sondern um medizinische Einordnung, Risikobewertung und die Verantwortung für die weiteren diagnostischen und therapeutischen Schritte“, betonte die BDI-Präsidentin Christine Neumann-Grutzeck.

Wer Prävention ernsthaft stärken wolle, dürfe sie nicht auf punktuelle Messungen ohne ärztliche Befundverantwortung verkürzen. Einzelne Messwerte können den Verbänden zufolge „allenfalls Hinweise liefern“.

Sie ersetzten jedoch weder eine Anamnese, klinische Untersuchung, noch eine fundierte Bewertung individueller Risikofaktoren, Vorerkrankungen, Begleitmedikation und möglicher Folgeerkrankungen.

„Kardiovaskuläre Prävention ist kein Schnelltest, sondern ein medizinischer Prozess. Wer Risiken früh erkennen will, braucht mehr als ein Gerät und einen Einzelwert – er braucht ärztliche Kompetenz, Verlaufskontrolle und klare Verantwortlichkeiten“, kritisierte Norbert Smetak, Bundesvorsitzender des BNK und BDI-Vizepräsident.

Die drei Verbände weisen zudem die Annahme zurück, dass zusätzliche Mess- und Beratungsangebote in Apotheken die ambulante Versorgung entlasten würden. Tatsächlich sei zu erwarten, dass viele Patienten mit auffälligen, unklaren oder falsch-positiven Befunden in die Arztpraxen kämen. Das erhöhe den Abklärungs- und Beratungsaufwand, ohne dass sich die Versorgungsqualität verbessere.

„Gerade in der Diabetologie wissen wir: Ein erhöhter Blutzuckerwert ist der Anfang einer Abklärung, nicht ihr Ende. Wer solche Befunde ohne strukturierten ärztlichen Kontext erhebt, produziert Rückfragen, Verunsicherung und am Ende mehr Aufwand im System“, warnte Toralf Schwarz, Vorsitzender des BVND.

Für eine bessere Prävention seien strukturierte, evidenzbasierte Präventionsangebote für definierte Risikogruppen wichtig. Nötig seien außerdem eine bessere Patientenansprache, digitale und sektorenübergreifende Kommunikationswege sowie eine verlässliche Vergütung präventiver Leistungen.

„Screening- und Früherkennungsangebote dürfen nur dann ausgeweitet werden, wenn ihr Nutzen für Patientinnen und Patienten wissenschaftlich belegt und auch gesundheitsökonomisch sinnvoll ist“, hieß es von den drei Verbänden. 

hil

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