IQWiG sieht keinen Zusatznutzen von Palbociclib bei Brustkrebs
Köln – Der Zusatznutzen von des Wirkstoffes Palbociclib (Handelsname Ibrance) für
Frauen mit fortgeschrittenem Hormonrezeptor-positiven Brustkrebs ist nicht belegt. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einer frühen Nutzenbewertung.
Palbociclib ist seit November vergangenen Jahres für Frauen mit fortgeschrittenem Hormonrezeptor-positiven Brustkrebs zugelassen, für die keine Chemotherapie, Strahlentherapie oder eine weitere Operation infrage kommen. Für die aktuelle Bewertung hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zwischen vier Therapiesituationen unterschieden und jeweils verschiedene zweckmäßige Vergleichstherapien vorgegeben. Kriterium ist dabei zum einen, ob bei den Patientinnen die Wechseljahre bereits abgeschlossen sind, zum anderen, ob und wie viele Therapien bereits erfolglos durchgeführt wurden.
Für eine der vier Therapiesituationen, nämlich die Erstlinientherapie bei postmenopausalen Frauen, hat der Hersteller Daten aus zwei randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) vorgelegt. In beiden wurde Palbociclib kombiniert mit dem Wirkstoff Letrozol gegen eine Letrozol-Monotherapie getestet. Bei mehreren Endpunkten zeigen diese Daten keine relevanten Unterschiede zwischen den beiden Studienarmen. Auch beim Endpunkt Gesamtüberleben sind die Unterschiede statistisch nicht signifikant. Der Hersteller argumentiert hier aber differenziert: Er führt Studienergebnisse zum progressionsfreien Überleben (PFS) ins Feld, die zugunsten von Palbociclib ausfallen. Dabei will er PFS als Ersatzkennzeichen (Surrogat) für das Überleben verstanden wissen.
Die Kölner Wissenschaftler kommen in ihrer Bewertung zu dem Ergebnis, dass dies grundsätzlich durchaus zulässig ist. Krebsmedikamente werden häufig auf Basis von solchen Surrogaten zugelassen. „Wenn unter einer neuen Therapie der Tumor nicht weiter wächst oder sogar schrumpft, ist das zwar ein gutes Zeichen. Es ist aber nicht sicher, dass Patientinnen tatsächlich länger überleben“, schreiben die IQWiG-Wissenschaftler.
Allerdings müsste in den Studiendaten die PFS als Surrogat für das Gesamtüberleben validiert sein. Dies ist dann der Fall, wenn eine Änderung bei einem Surrogatendpunkt zuverlässig eine gleichgerichtete Änderung bei einem patientenrelevanten Endpunkt vorhersagt. In seinem Dossier wählt der Hersteller für die notwendige Validierung laut dem IQWiG eine geeignete wissenschaftliche Methode, die sogenannte Surrogate-Threshold-Effect-Analyse (STE).
Der Studienpool, den der Hersteller verwendet, bildet die Fragestellung jedoch nicht angemessen ab. Anders formuliert: Wichtige Studien bleiben bei der Validierung unberücksichtigt. Das IQWiG hat deshalb eine eigene Auswertung der vorliegenden Studien vorgenommen. Dabei zeigte sich, dass PFS nicht als valides Ersatzkennzeichen für das Überleben in dieser Therapiesituation anzusehen ist. „Ein Zusatznutzen lässt sich aus den besseren Ergebnissen für das PFS folglich nicht ableiten“, berichten die IQWiG-Wissenschaftler.
Zu den offenbar fehlenden Vorteilen der Kombinationstherapie von Palbociclib kombiniert mit dem Wirkstoff Letrozol gegen eine Letrozol-Monotherapie kommen offenbar außerdem schwerere Nebenwirkungen: „Diese treten bei der Kombinationstherapie mit Palbociclib deutlich häufiger auf, woraus ein Hinweis auf einen höheren Schaden abzuleiten ist“, schreiben die Autoren des Qualitätsinstituts. Das IQWiG betont in seiner Bewertung, dass es letztlich dem G-BA obliegt, über den Zusatznutzen zu entscheiden.
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