Ärzteschaft

Jahresüberschüsse der Praxen zurückgegangen

  • Dienstag, 31. März 2026
/Nuttapong punna, stock.adobe.com
/Nuttapong punna, stock.adobe.com

Berlin – Die realen Jahresüberschüsse der rund 80.000 ärztlichen und 29.000 psychotherapeutischen Praxen sind zuletzt gesunken. Das zeigt eine Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) in Bezug auf die Jahre 2023/2022.

Der Rückgang der Jahresüberschüsse hat demnach im Jahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr 13,3 Prozent betragen. Bereits im Jahr 2022 seien diese im Vorjahresvergleich real um 4,7 Prozent zurückgegangen, hieß es weiter. „Damit ergibt sich für den Zeitraum von 2020 bis 2023 inflationsbereinigt ein durchschnittlicher Rückgang der Jahresüberschüsse um 3,4 Prozent pro Jahr“, schreibt das Zi.

Grund sind nicht die Einnahmen – einen Rückgang bei gesetzlich Versicherten glichen die Einnahmen bei Privatversicherten aus –, sondern die gestiegenen Kosten.

Die Gesamteinnahmen der Praxen gingen im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozent zurück. Während im Jahr 2021 noch ein starker Anstieg von 10,3 Prozent – insbesondere durch den Sondereffekt der COVID-19-Impfkampagne – zu verzeichnen gewesen ist, schwächte sich die Einnahmenentwicklung bereits 2022 ab (+3,4 Prozent) und drehte 2023 ins Minus (-2,6 Prozent). Insgesamt stiegen die Einnahmen zwischen 2020 und 2023 um 11,1 Prozent.

Demgegenüber nahmen die Gesamtaufwendungen der Praxen im gleichen Zeitraum deutlich stärker zu: Zwischen 2020 und 2023 stiegen sie um 17,6 Prozent und damit stärker als die allgemeine Preisentwicklung (+16,7 Prozent). Im Jahr 2023 erhöhten sich die Aufwendungen um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In den Jahren zuvor waren mit 5,1 Prozent im Jahr 2022 und acht Prozent im Jahr 2021 sogar noch stärkere Zuwächse zu verzeichnen gewesen.

Größter Kostentreiber bleiben die Personalausgaben. Diese stiegen zwischen 2020 und 2023 um 26,5 Prozent und machten zuletzt rund 58 Prozent der Gesamtaufwendungen aus. Allein im Jahr 2023 lagen die Personalaufwendungen je Praxisinhaber bei durchschnittlich 106.200 Euro. Auch Mieten und Nebenkosten für Praxisräume nahmen deutlich stärker zu als die Einnahmen (+12,2 Prozent seit 2020).

Die Einnahmen aus vertragsärztlicher Tätigkeit, die einen Anteil von rund 80 Prozent an den Gesamteinnahmen ausmachten, gingen im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr um 4,4 Prozent zurück. In den Jahren 2021 und 2022 waren noch Einnahmenzuwächse aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu verzeichnen (+12 beziehungsweise +3,8 Prozent). Bei den Privateinnahmen kam es im Jahr 2023 hingegen zu einer deutlichen Steigerung von 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„Die aktuellen Zahlen zeigen sehr deutlich: Die wirtschaftliche Basis der ambulanten Versorgung gerät zunehmend unter Druck“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried. Trotz moderater Einnahmensteigerungen in den Vorjahren hätten die Praxen die erheblichen Kostensteigerungen nicht ausgleichen können.

Im Ergebnis stehe ein reales Minus bei den Jahresüberschüssen. Besonders deutlich werde diese Entwicklung im Jahr 2023. Erstmals seit Beginn der Zeitreihe sei es auch nominal zu einem Rückgang der Jahresüberschüsse gekommen. „Das Finanzierungsdefizit kommt aus der gesetzlichen Krankenversicherung und wird von den Praxisinhabern persönlich getragen“, so von Stillfried.

may/EB

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung