Jeder fünfte Erwachsene in Deutschland ist stressbelastet

Berlin – Etwa 20 Prozent der Erwachsenen in Deutschland berichten von erhöhter Stressbelastung, insbesondere Frauen, Personen im erwerbsfähigen Alter und Menschen mit niedrigem und mittlerem formalen Bildungsabschluss. Das berichtet eine Arbeitsgruppe des Robert-Koch-Instituts (RKI) im Journal of Health Monitoring (2026; DOI: 10.25646/14239).
Danach ist der Umgang mit der Stressbelastung entscheidend: Problemlösen, proaktives Coping und Coping-Flexibilität sind der Studie zufolge mit geringerer Belastung, Verdrängung und Wunschdenken mit höherem Stresserleben assoziiert. Unter „Coping“ versteht man Bewältigungsstrategien für mehr Widerstandsfähigkeit.
Datengrundlage für die Analyse war die erste Jahreswelle 2024 der Studienreihe „Gesundheit in Deutschland“ des RKI. Einbezogen wurden die Daten von 27.102 Personen im Alter von 18 bis 99 Jahren, darunter 51,1 Prozent Frauen.
Zur Erfassung von Stress wurde eine Stressskala (Perceived Stress Scale, PSS-10) eingesetzt. Dies ist ein Fragebogen zur Erfassung des wahrgenommenen Stresses. Höhere Werte stehen für ein höheres wahrgenommenes Stresserleben.
Coping hat die Arbeitsgruppe mit der sogenannten „Short Adult Coping Scale (SACS-16)“ erhoben. Dies ist ein vom RKI entwickeltes und validiertes Kurzverfahren zur Erfassung von Coping-Strategien in bevölkerungsbezogenen Studien. Die SACS-16 umfasst 16 Punkte und bildet acht Coping-Strategien ab, die jeweils mit zwei Fragen erfasst werden.
Die Auswertung ergab: Rund 20 Prozent der Befragten zeigten eine erhöhte Stressbelastung. Das höchste Stresserleben fand sich bei den 18- bis 29-Jährigen. Mit zunehmendem Alter nahm das berichtete Stresserleben bis zur Altersgruppe der 65- bis 79-Jährigen ab. Personen mit höherer Bildung berichteten weniger Stress.
Die am häufigsten berichteten Coping-Strategien waren Problemlösen, Beharrlichkeit und Coping-Flexibilität. Letzteres bezeichnet die Fähigkeit, Bewältigungsstrategien an die jeweilige Situation anzupassen. Personen mit hoher Coping-Flexibilität sind in der Lage, je nach Anforderungen einer belastenden Situation unterschiedliche Vorgehensweisen einzusetzen, anstatt stets dieselbe Strategie zu verwenden.
Am seltensten wurden als Coping-Strategien Verdrängung, Wunschdenken und proaktives Coping angegeben. Letzteres beschreibt Bewältigungsstrategien, die bereits vor dem Eintreten einer Belastung eingesetzt werden. Der Fokus liegt nicht auf der Reaktion auf einen bereits vorhandenen Stressor, sondern auf der Vorbereitung auf zukünftige Anforderungen oder mögliche Probleme.
In der Datenauswertung waren Coping-Flexibilität, Problemlösen und proaktives Coping signifikant mit geringerem Stresserleben assoziiert. Verdrängung und Wunschdenken gingen dagegen mit höherem Stresserleben einher.
Die Analysen zeigten zudem, dass sich die Zusammenhänge zwischen Stress und einzelnen Coping-Strategien vor allem nach Altersgruppen unterschieden. So zeigte proaktives Coping einen besonders starken Zusammenhang mit geringerem Stress bei jungen Erwachsenen (18–29 Jahre).
Coping-Flexibilität war insbesondere bei den 30- bis 44-Jährigen und 45- bis 64-Jährigen stärker mit geringerem Stress assoziiert als bei den 18- bis 29-Jährigen. Problemlösen zeigte einen besonders starken Zusammenhang mit geringerem Stress bei den 45- bis 64-Jährigen.
„Die Ergebnisse unterstreichen die Public-Health-Relevanz von Stress und weisen auf mögliche Ansatzpunkte für Präventionsmaßnahmen durch die Förderung geeigneter und zielgruppenspezifischer Coping-Strategien hin“, schreibt die Arbeitsgruppe.
Deutsches Ärzteblatt bei Google bevorzugen
Wenn Sie Deutsches Ärzteblatt als bevorzugte Quelle festlegen, können Inhalte von uns in Ihren Google-Ergebnissen sichtbarer erscheinen.
Jetzt bei Google bevorzugenDiskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: