Karliczek: Flächendeckende Schulschließungen derzeit nicht angezeigt

Berlin – Bundesweite Schulschließungen zur Eindämmung des Coronavirus soll es nach Angaben von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) momentan nicht geben. „Derzeit sind flächendeckende Schulschließungen noch nicht angezeigt“, sagte Karliczek heute in Berlin. Allerdings müsse die Lage jeden Tag neu bewertet werden.
Karliczek betonte aber: „Es ist nicht einfach die Frage: Wir machen alles dicht, und dann ist das Problem gelöst.“ Die Ministerin betonte: „Wir versuchen, einen Normalbetrieb so lange wie möglich aufrecht zu erhalten.“
Eltern bräuchten auch Betreuung für ihre Kinder. Viele arbeiteten in der Pflege, bei der Feuerwehr oder im Gesundheitssystem. Jede Entscheidung habe viele Folgen. Karliczek mahnte eine bundesweit möglichst einheitliche Linie an.
„Wir brauchen Kriterien, die angemessene Entscheidungen vor Ort ermöglichen.“ Dies sei auch Thema der Kultusministerkonferenz heute in Berlin. Erwartet wurde, dass sich auch die Ministerpräsidenten bei ihrem Treffen in Berlin mit dem Thema beschäftigen.
Unterdessen mahnten Bundesregierung und Experten zu einem besonderen Schutz von Senioren, Pflegebedürftigen und Behinderten wegen den Gefahren des Coronavirus. „Gerade Ältere, Großeltern und ihre Familien sollten ihre Gewohnheiten überdenken“, sagte Familienministerin Franziska Giffey (SPD) heute in Berlin.
Sie zählte dazu, den öffentlichen Nahverkehr zu meiden, persönlichen Abstand zu halten, auf Umarmungen und Freizeitveranstaltungen mit größerer Teilnehmerzahl zu verzichten. Zugleich sollten ältere Menschen mit ihren Sorgen nicht allein bleiben und bei Einkäufen und medizinischer Betreuung unterstützt werden.
„Auch die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen sind besonders schutzbedürftig“, sagte Giffey. Pflegekräfte seien gefordert, die Bewohner zu schützen. „Dazu gehört auch, sich nicht selbst zu gefährden.“
Patientenschützer werben für Nachbarschaftshilfe. „Es gilt, den alten und pflegebedürftigen Menschen von nebenan in den Blick zu nehmen“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. „Bei aller gebotener Vorsicht kann sehr viel Gutes getan werden.“ So könne man Einkäufe mitbringen, Rezepte vom Arzt oder Medikamente aus der Apotheke holen. „Das sind wichtige Zeichen der Hilfsbereitschaft.“
Die Chefin der Bundesvereinigung Lebenshilfe, Ulla Schmidt, forderte, auf Menschen mit Behinderung in besonderer Weise zu achten. „Sie haben wegen Vorerkrankungen häufig ein erhöhtes Risiko schwer zu erkranken – in den Einrichtungen, zu Hause, bei der Arbeit und in Schulen.“ Bei Schließungen, zum Beispiel von Werkstätten und Schulen, müssten Assistenzkräfte wie Schulhelfer weiter bezahlt werden.
Um die Virus-Ausbreitung einzudämmen rufen Gesundheitsexperten und auch die Bundesregierung dazu auf, Kontakte vor allem in größeren Menschenansammlungen zu verringern – besonders vor Infektionen geschützt werden sollen ältere und chronisch kranke Menschen.
Patientenschützer Brysch sagte: „Selbst wer den persönlichen Kontakt scheut, kann sich um andere kümmern.“ Das reiche vom Telefonanruf beim Nachbarn oder einen persönlichen Aushang im Treppenhaus bis zu Nachrichten im Briefkasten. „Ein Einkaufszettel kann die Verbindung von Mensch zu Mensch sein.“
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